Nicht mein Fall...

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jori1020 Avatar

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Es ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe – und leider konnte ich damit nicht viel anfangen. Der Klappentext klang zunächst vielversprechend: Die Erzählerin setzt sich mit der dunklen Vergangenheit ihrer Familie auseinander, recherchiert über ihren Großvater, der Mitglied der SS war und im polnischen Radom stationiert war, und geht der Frage nach, wie diese Geschichte bis heute in die Gegenwart der Familie hineinwirkt.

In der Umsetzung bleibt dieser Ansatz für mich jedoch zu vage. Die Erzählerin findet nur wenige konkrete Informationen über die Aktivitäten ihres Großvaters, und die dadurch entstehenden Leerstellen sowie die Sprachlosigkeit innerhalb der Familie werden vor allem mit Beobachtungen aus der Gegenwart gefüllt. Über viele Seiten hinweg werden etwa Lektüren während der Recherche beschrieben oder Spaziergänge durch Radom oder Neapel geschildert. Diese Passagen wirkten auf mich zunehmend beliebig und führten nicht wirklich tiefer in das zentrale Thema hinein.

Sprachlich ist das Buch ohne Frage gut geschrieben – Judith Hermann beherrscht ihr Handwerk und den Umgang mit Sprache. Die angepriesenen und oft gelobten Zwischen- und Untertöne haben mich jedoch nicht erreicht oder blieben mir verschlossen. Insgesamt empfand ich das Buch als wenig fesselnd und inhaltlich zu diffus. Für mich blieb es daher leider eine eher enttäuschende Lektüre, die mich emotional nicht erreichen konnte.