Sprachlich fantastisch

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sabrina6683 Avatar

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Judith Hermanns "Ich möchte zurückgehen in der Zeit" hat mich nicht nur durch Cover und Titel angesprochen. Auch sprachlich ist es, meiner Meinung nach, fantastisch umgesetzt! Die Autorin nimmt uns mit in einen biografischen Abschnitt ihres Lebens, in dem sie ihrem Großvater, einem SS-Offizier, nachzuspüren versucht, in dem sie unter anderem den Ort Radom in Polen besucht, an der er stationiert war. Zumindest in dem Abschnitt, in dem sie von ihrem Leben in Radom berichtet, gelingt das sehr gut. Im weiteren Verlauf des Buchs wird alles ein bisschen abstrakter und weniger greifbar. Ich hätte mir hier noch ein tieferes Eingehen auf die problematische Vergangenheit ihres Großvaters, ihre exakten Gedanken und Gefühle dazu gewünscht und was genau sie jetzt von ihrer Recherche mitnimmt. Aber das mag auch dann doch ein Stückchen zu privat sein. Generell finde ich es gut, dass sich jemand aus ihrer Generation überhaupt damit auseinandersetzt, welche Funktion / Einstellung ihre Vorfahren zu dieser Zeit hatten.
Ich möchte nicht spoilern, deswegen nur der Hinweis: die beschriebenen Vergleiche von sich mit anders Betroffenen ihrer Generation, haben mich durchaus irritiert.
Alles in allem möchte ich trotzdem 4 Sterne vergeben, ich hatte eine gute Lesezeit, die entsprechenden Anschwung gegeben hat, mich selber erneut mit meinen Vorfahren detaillierter auseinanderzusetzen.