Still und nachhaltig

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Wer waren unsere Großeltern eigentlich? Wie haben sie die Zeit des Nationalsozialismus erlebt? Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Großvaters. Er war damals im polnischen Radom stationiert. Sein Tattoo, das Erkennungszeichen, hat er sich, nie entfernen lassen. Aber um seine Geschichte herrscht großes Schweigen. Die Autorin besucht den Ort, an dem er stationiert war, versucht sich in sein damaliges Leben einzufühlen. Reist dann zu ihrer Schwester nach Italien und trifft auch dort auf die Schatten der düsteren Vergangenheit. Wir kennen sehr viele Geschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Doch hauptsächlich die der Opfer. Um die Geschichten der Täter ist es sehr still geworden. Und dennoch sind sie ja da. Die Täter leben in unseren Familien oder in den Erinnerungen unserer Familienmitglieder. Aber um die Schuld und die Taten ist es ganz still geworden. Doch was geht tief in einem Menschen vor, der dazugehörte? Ohne dem Buch hier vorzugreifen, auch die Autorin wird in diese Stille getaucht. Und gerade durch diese Geschichte, die nicht erzählt wird, wurde mir erst bewusst, wie mächtig und elementar dieses Schweigen noch immer ist. Ich liebe die Romane von Judith Hermann seit meiner Schulzeit. Aber es waren nie Geschichten, die sofort beim Lesen eine starke Wirkung auf mich hatten. Vielmehr setzte sich alles eher langsam in mir, lies mich nicht mehr los, brachte mich zum Nachdenken und wirkte so anhaltend. So ist es auch mit diesem Buch. Still und nachhaltig.