Was mache ich, wenn du nicht mehr da bist?
Nur 156 Seiten umfasst Judith Hermanns neuer Roman, und doch habe ich über eine Woche daran gelesen. Mir die einzelnen Abschnitte wie feinste Häppchen auf der Zunge zergehen lassen, auf harten Wahrheiten gekaut und so manche kluge Formulierung geschluckt.
Seit vielen Jahren lese ich Judith Hermann, war schon bei ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ 1998 verzaubert von ihrer einzigartigen Stimme. Beim Lesen ihrer aktuellen Erzählung kam mir der Gedanke, dass ich sie wohl als Autorin erkannt hätte, auch wenn das Buch ohne ihren Namen dahergekommen wäre. Es ist die besondere Sprachführung, aber es sind auch ihre besonderen Gedanken und Motive, die immer wieder auftauchen. Daher war der Text wie ein vertrauter Sessel, auf dem ich schon zuvor wohlige Lesestunden mit klugen Gedanken eingeatmet habe.
Gar so wohlig wird es aber gar nicht, sondern durchaus unbequem. Denn Judith Hermann reist ins polnische Radom auf den Spuren der Geschichte ihres Großvaters. Und so ist es zwar eine zutiefst persönliche Reise, auf die sie uns mitnimmt, und zugleich doch ein gesellschaftliches Thema, das uns alle in irgendeiner Form berührt und betrifft. Es geht um das Verdrängen der Vergangenheit und die Frage, ob man sich hinter scheinbarer Unwissenheit verstecken darf. Um die Strukturen und ungeschriebenen Regeln. Und es geht um Orte, die heute noch den Geist der Geschichte atmen, auch wenn man ganz leise sein muss, um ihn zu hören.
Ein wichtiges Buch, das gerade noch zur rechten Zeit kommt, solange Fragen noch gestellt werden können, auch wenn es nicht immer Antworten gibt. Und zugleich eine intensive Lektüre mit Sätzen, die im Kopf ein eigenwilliges Eigenleben entwickeln.
Ganz große Leseempfehlung!
Seit vielen Jahren lese ich Judith Hermann, war schon bei ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ 1998 verzaubert von ihrer einzigartigen Stimme. Beim Lesen ihrer aktuellen Erzählung kam mir der Gedanke, dass ich sie wohl als Autorin erkannt hätte, auch wenn das Buch ohne ihren Namen dahergekommen wäre. Es ist die besondere Sprachführung, aber es sind auch ihre besonderen Gedanken und Motive, die immer wieder auftauchen. Daher war der Text wie ein vertrauter Sessel, auf dem ich schon zuvor wohlige Lesestunden mit klugen Gedanken eingeatmet habe.
Gar so wohlig wird es aber gar nicht, sondern durchaus unbequem. Denn Judith Hermann reist ins polnische Radom auf den Spuren der Geschichte ihres Großvaters. Und so ist es zwar eine zutiefst persönliche Reise, auf die sie uns mitnimmt, und zugleich doch ein gesellschaftliches Thema, das uns alle in irgendeiner Form berührt und betrifft. Es geht um das Verdrängen der Vergangenheit und die Frage, ob man sich hinter scheinbarer Unwissenheit verstecken darf. Um die Strukturen und ungeschriebenen Regeln. Und es geht um Orte, die heute noch den Geist der Geschichte atmen, auch wenn man ganz leise sein muss, um ihn zu hören.
Ein wichtiges Buch, das gerade noch zur rechten Zeit kommt, solange Fragen noch gestellt werden können, auch wenn es nicht immer Antworten gibt. Und zugleich eine intensive Lektüre mit Sätzen, die im Kopf ein eigenwilliges Eigenleben entwickeln.
Ganz große Leseempfehlung!