Neugierig genug, um weiterzulesen.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
cc-san Avatar

Von

Okay, ich weiß nicht wie ich das einordnen soll. Wirklich nicht. Ich bin hin- und hergerissen auf eine Art, die mich ein bisschen wahnsinnig macht.
Die Prämisse ist charmant bis zum Anschlag: Roxie, absolute Romance-Leserin und selbsterklärte Expertin für fiktionalen Eskapismus, wünscht sich versehentlich, die Heldin im nächsten Roman ihrer Lieblingsautorin zu sein – und dann passiert es tatsächlich. Ein Wish-Fulfillment-Plot über Wish-Fulfillment. Das hat was. Und die ersten Kapitel haben mich wirklich gepackt, weil die Stimme so verdammt unterhaltsam ist. Roxie erklärt das ganze Missverständnis über Romance-Fans – »dass wir alle einsam und traurig sind« – mit so einer entspannten, selbstsicheren Schlagfertigkeit, dass ich lachen musste. Die Szene in der Bibliothek, wo Jack auftaucht und sie reflexartig ihr Genre verteidigt (»Das ist für meinen Buchclub«, während sie ihm das Buch aus der Hand reißt), war so gut. Das kenne ich. Das fühlte sich echt an.
Und dann die Spendiererin. Mann. »An manchen Tagen bin ich dies, an anderen das. Einmal im Monat kellnere ich in Dick's Last Resort.« Dieser Charakter ist so skurril und frisch, da hätte ich gern noch viel mehr von.
Was mich aber zögern lässt: Der Schreibstil kippt manchmal ins Überladene. Die Beschreibung von Jacks Geruch – »rauchige Zeder oder Sandelholz oder warmer Flanell« – okay, das ist noch Roxies Innenperspektive, die absichtlich klischiert denkt. Aber an anderen Stellen fühlt es sich weniger bewusst ironisch an als einfach... blumig. Und Jack selbst ist in diesen drei Kapiteln noch fast zu perfekt. Bücher tragend, Welpen rettend, im Jugendrecht arbeitend. Ich hoffe, da kommt noch was. Wirklich.
Die offene Frage ist natürlich: Wird der Thriller-Aspekt (»sie landet in einem Thriller«) diese Romance-Metaebene irgendwann aufbrechen und für echte Spannung sorgen, oder ist das nur ein Marketingversprechen? Das würde mein Interesse deutlich steigern.
Neugierig genug, um weiterzulesen. Aber ich behalte eine Augenbraue hochgezogen.