Liebe und Täuschung

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coni90 Avatar

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Stella hangelt sich in Seattle als Sängerin und Barkeeperin mehr schlecht als recht durch. Als ihr eines Tages der mysteriöse Levin das Angebot macht, Hauptact in seiner Illusionsshow in Las Vegas zu werden, zweifelt Stella zunächst, ob sie sich wirklich ohne weitere Informationen darauf einlassen sollte. Aufgrund einer Räumungsklage, durch die sie innerhalb von 2 Tagen ihre Wohnung verlassen muss, und der Tatsache, dass sie nicht mehr als 2 Dollar besitzt, geht sie kurzerhand doch auf das Angebot ein. Umgehend befindet sie sich in einer glitzernden Welt voller Champagner, Privatjets und luxuriöser Hotelsuiten, die nicht zwischen Schein und Sein differiert. Stella fragt sich, ob sie das wirklich möchte und warum ausgerechnet sie von Levin erwählt wurde. Auch das Mysterium um die verschwundene Sängerin, deren Job sie nun einnehmen soll, ist bisher nicht geklärt. Und neben Erinnerungen an ihre durch einen Unfall verstorbenen Eltern, mit denen sie in Las Vegas gelebt hatte, ist da ja auch noch die große Anziehung zwischen ihr und Levin...

"Illusion – A Lie Worth Believing" startet sehr rasant, vielleicht sogar ein bisschen zu rasant. Denn der Einstieg wirkte auf mich überhastet, wodurch es mir schwerfiel, emotional nachzuvollziehen, warum sich die Protagonistin Stella so schnell auf den von Levin angebotenen Deal einlässt, auch wenn die Räumungsklage und die finanziellen Probleme von Stella direkt dargestellt wurden. Ich kam einfach gefühlt nicht so schnell mit. Trotz dieser Schwäche entfaltete der Beginn aber eine gewisse Sogwirkung: Man möchte weiterlesen, weil die Geschichte neugierig macht und viele Fragen aufwirft.

Besonders spannend empfand ich den Handlungsstrang rund um die verschwundene Sängerin Fia, die nun von Stella ersetzt werden soll. Die Frage, was mit ihr passiert ist, ob sie noch in Las Vegas ist und welche Rolle die Show dabei spielt, sorgte für echten Spannungsaufbau. Auch das Rätsel, warum ausgerechnet Stella von Levin, dem Macher der Show, ausgewählt wurde, trug zur Neugier bei. Immer wieder blitzten Hinweise auf, dass die Vergangenheiten der beiden Hauptfiguren miteinander verknüpft sein könnten – was allerdings relativ früh vorhersehbar wirkte.

Das Potential des Romans mit grundsätzlich vielen verschiedenen Aspekten (Vorgeschichte der weiblichen und männlichen Hauptfigur, Rätsel um Besonderheit von Stella, verschwundene Vorsängerin etc.) wurde jedoch nicht richtig genutzt. Häufig im Fokus stand die Beziehung zwischen Stella und Levin, die sich für meinen Geschmack zu schnell entwickelte. Statt einer langsamen Annäherung oder eines echten Konflikts ist von Anfang an eine starke körperliche Anziehung zwischen den beiden vorhanden gewesen. Der beworbene Trope "Haters to Lovers" passt hier meiner Meinung nach nicht, da kein wirklicher Hass oder echte Ablehnung bestand. Stellas Vorsicht wirkte auf mich eher oberflächlich und wurde sofort von Anziehungsgedanken überlagert, was der Dynamik die Tiefe nahm.

Levin blieb als Figur schwer einschätzbar, was grundsätzlich reizvoll war. Gleichzeitig wirkten seine Geheimnisse und Motive stellenweise künstlich aufgebaut. Dass man sehr früh erfuhr, dass er Stella gezielt nach Las Vegas geholt hat, nahm der Handlung etwas von ihrer Spannung. Insbesondere seine unklaren Beweggründe und dazu gehörigen Gedankenkreise führten zudem dazu, dass sich der rote Faden für mich zwischendurch verlor.

Sehr positiv hervorzuheben ist der Schreibstil: angenehm, leicht zu lesen und mit vielen bildlichen Vergleichen. Besonders gelungen ist auch der aufgebrochene Text durch SMS-Nachrichten, Zeitungsartikel und Kartenabbildungen. Diese Elemente erhöhten mein Lesetempo deutlich und lockerten die Geschichte auf. Auch die wechselnden Ich-Perspektiven der beiden Hauptfiguren wurden gut umgesetzt.

Während mich die Handlung um die verschwundene Sängerin fesselte, überzeugte mich alles rund um die Illusionsshow deutlich weniger. Die Beschreibungen der Show blieben vage, ich konnte mich da nicht richtig reindenken und -fühlen, und warum Stella angeblich so besonders sein soll, erschloss sich mir lange nicht – vor allem, da sie zum Zeitpunkt der Lobhudelei noch nicht einmal gesungen hatte. Diese Passagen wirkten überflüssig und bremsten die Geschichte eher aus.

Die Nebenfiguren sind solide ausgearbeitet. Besonders Cam, der Kostümdesigner, stach positiv hervor und wuchs mir schnell ans Herz – auch wenn ständig das Gefühl blieb, dass man niemandem vollständig trauen kann.

Insgesamt ist "Illusion – A Lie Worth Believing" ein Buch mit starken Momenten, guter Atmosphäre und spannenden Ansätzen, das jedoch unter Tempo-Problemen, einer zu schnellen Romance und einem unausgewogenen Fokus leidet.