Geheimnisvolle Märchen mal anders

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suzy27 Avatar

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Schon das Cover von Im Bann des Erlkönigs hat mich neugierig gemacht. Die dunklen Farben und die verspielten, geheimnisvollen Details passen sehr gut zur märchenhaften Stimmung der Geschichte. Besonders ansprechend finde ich die Gestaltung der gebundenen Ausgabe mit Farbschnitt und Charakterkarte. Dadurch wirkt das Buch hochwertig und wird zu einem echten Blickfang im Regal.

Im Mittelpunkt steht die sechzehnjährige Zora, die seit ihrer Kindheit geheimnisvolle Wesen aus alten Sagen sehen kann. Als ein Zauber misslingt, gelangt sie in eine fremde Welt und schließlich an die Umbra Academy. Dort muss sie nicht nur herausfinden, wem sie vertrauen kann, sondern wird auch mit Magie, Intrigen und gefährlichen Geheimnissen konfrontiert.

Mina Roth verbindet in ihrem Roman Dark-Academia-Atmosphäre mit Elementen deutscher Märchen und Sagen. Gerade diese Mischung fand ich interessant, da sie sich von vielen anderen Romantasy-Geschichten abhebt. Die magische Welt wird bildhaft beschrieben und besitzt eine düstere, stellenweise beinahe unheimliche Stimmung. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass der Erlkönig selbst und die mit ihm verbundenen Sagenmotive noch stärker im Mittelpunkt stehen. Einige Abschnitte verlaufen außerdem etwas ruhiger, weil zunächst viele Hintergründe und Regeln der neuen Welt erklärt werden. Da es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, ist dieser ausführliche Aufbau jedoch nachvollziehbar.

Der Schreibstil ist flüssig, modern und angenehm zu lesen. Besonders die atmosphärischen Beschreibungen sind gelungen, ohne die Handlung unnötig auszubremsen. Auch die langsam entstehende Liebesgeschichte fügt sich gut ein und verdrängt die eigentliche Fantasyhandlung nicht.

Zora war mir als Hauptfigur schnell sympathisch. Sie ist mutig, aber keineswegs fehlerlos, wodurch sie glaubwürdig wirkt. Ihre Unsicherheit und ihre Entwicklung konnte ich gut nachvollziehen. Auch die Nebenfiguren sind interessant gestaltet. Weil ihre Absichten nicht immer eindeutig sind, bleibt lange offen, wem Zora wirklich vertrauen kann. Manche Figuren hätten für meinen Geschmack allerdings noch etwas mehr Tiefe vertragen.

Insgesamt ist Im Bann des Erlkönigs ein stimmungsvoller und spannender Reihenauftakt, der mit einer besonderen Sagenwelt, einer authentischen Protagonistin und einem einnehmenden Schreibstil überzeugt. Kleine Längen und das noch nicht vollständig ausgeschöpfte Erlkönig-Motiv verhindern für mich die Höchstwertung. Ich empfehle das Buch vor allem Leser*innen, die märchenhafte Young-Adult-Fantasy, geheimnisvolle Akademien, Intrigen und eine eher langsam aufgebaute Romanze mögen.