Interessante Perspektivwechsel auf die Möglichkeiten des Lebens

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julieellen Avatar

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Der Roman beginnt mit einer Überraschung. Die Protagonistin Antonia erwacht in einer ihr fremden Rolle: als Mutter, mit körperlichen Schmerzen und Erinnerungslücken. Was wie eine Szene aus einem Albtraum beginnt, wird mit stiller, fast sachlicher Beobachtung geschildert, und genau diese Nüchternheit macht die Situation so verstörend. Wer ist diese Frau, warum hat sie ein Baby, wessen Leben lebt sie da plötzlich?

Die Perspektive wechselt dann zu Toni – jung, reflektiert, in einer scheinbar „normalen“ Beziehung mit Jakob – und eröffnet ein ganz anderes Erleben von Nähe, Intimität und Alltag. Doch auch hier: Vieles ist fragil. Toni denkt viel, zu viel. Auch wenn sie „angekommen“ wirkt, ist da stets ein subtiles Infragestellen: der Liebe, des Lebensentwurfs, der Vergangenheit. Der Text springt zwischen den Zeiten, den Tonarten, zwischen Wärme und Kälte – und gerade das macht ihn besonders.

Was heraussticht, ist die Lust an der Ambivalenz: Mutterliebe und Überforderung, Nähe und Selbstverlust, Erinnerung und Realität. Die ersten Seiten werfen schon große Fragen auf: nach Identität, Freiheit und weiblichen Rollenbildern.

Der Text berührt durch seine Wechsel zwischen Perspektiven, Zeiten und Bewusstseinszuständen. Er ist wie ein Puzzle, bei dem man nie ganz sicher ist, welches Bild sich am Ende ergibt – und genau das macht ihn so reizvoll. Für Leser*innen, die alternative Lebenswege, innere Konflikte und die stille Dramatik des Alltäglichen schätzen, ist das ein vielversprechender Roman.