Familiengeheimnisse, verdrängte Geschichten und weibliche Freiheit

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Die Leseprobe zu „Im Licht des neuen Tages“ hat mich sofort das Gefühl gegeben, dass hier nicht nur eine spannende Geschichte erzählt wird, sondern ein vielschichtiges Nachdenken über Identität, Erinnerung und weibliche Freiheit. Das Cover mit dem goldenen Licht über dem märchenhaften Wald passt für mich perfekt zur Atmosphäre: etwas Geheimnisvolles, Melancholisches, aber auch ein Versprechen von Klarheit.

Ich mag, wie der Text Elli Hajek als Schriftstellerin auf der Suche nach sich selbst einführt. Dass sie sich zum Schreiben in ein abgelegenes Haus zurückzieht und dort an die Figur Viktorka aus den Erzählungen ihrer tschechischen Großmutter denkt, verbindet Familiengeschichte, Märchen und psychologische Tiefe auf eine sehr stimmige Weise. Gerade diese Konstellation aus Großmutter, Enkelin und der „wahnsinnigen“ Frau im Wald trifft genau mein Interesse daran, wie Familiengeheimnisse und Trauma über Generationen weiterwirken.

Besonders stark finde ich, dass Viktorka nicht nur eine Legende ist, sondern tatsächlich existiert hat – und dass Elli in das Land zurückkehrt, aus dem sie selbst als Kind geflohen ist. Dadurch verschränken sich die Suche nach Wahrheit über Viktorka mit Ellies eigener verdrängter Geschichte; die Leseprobe lässt schon erkennen, wie persönliche Identität und historische Gewalt ineinander greifen. Es geht für mich nicht nur um die Frage „Was ist damals passiert?“, sondern darum, wie das Leben von Frauen erzählt oder eben ausgelöscht wird – und wer das Recht hat, diese Geschichten neu zu schreiben.

Der Stil wirkt ruhig, aber sehr eindringlich: die Bilder vom böhmischen Wald mit Farn, Fluss und Dämmerlicht machen die Umgebung fast zu einer eigenen Figur, einem Ort zwischen Zuflucht und Freiheit. Gleichzeitig spüre ich beim Lesen schon die Spannung, weil Elli ahnt, dass die Wahrheit über Viktorka auch ihre eigene Biografie infrage stellen wird. Ich erwarte von der weiteren Geschichte weniger einen klassischen, plotgetriebenen Mystery-Roman, sondern eine reflektierte, psychologisch dichte Reise in eine vergessene Geschichte, die zeigt, wie sehr unsere Identität von den Geschichten abhängt, die über uns (und vor uns) erzählt werden, oder eben verschwiegen bleiben.

Genau diese Verbindung aus Familiengeheimnissen, Trauma, feministischer Geschichtsschreibung und atmosphärischer Naturkulisse spricht mich sehr an, deshalb möchte ich unbedingt erfahren, wie Elli sich ihrer eigenen Vergangenheit stellt und was sie im Wald über Viktorka herausfindet.