Drei Frauen, durch ein Märchen verbunden

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belinablack Avatar

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"Im Licht des neuen Tages" gibt Stück für Stück Einblick in drei Frauenleben: Es geht um Elli, die als Kind mit ihren Eltern aus der damaligen Tschechoslowakei nach Deutschland geflohen ist, um die Schriftstellerin Božena, deren Märchen und Romane Elli seit ihrer Kindheit begleiten, und um Viktoria, eine Romanfigur Boženas, die auf einer realen Frau basiert. Alle drei erfahren Ausgrenzung und müssen ihren Platz in einer Gesellschaft finden, die ihnen diesen nicht selbstverständlich zugesteht.

Besonders interessant fand ich Ellis Vergangenheit. Als Flüchtlingskind lernt sie, sich in Deutschland anzupassen, verliert dabei aber zunehmend das Gefühl für ihre Herkunft und Identität. Jahrzehnte später führt ihre Suche sie zurück in die tschechischen Wälder und zugleich auf die Spuren von Božena und Viktoria. Dabei greift Kubsova Motive aus Boženas Märchen auf: Rätselhafte Begegnungen und geisterhafte Erscheinungen durchbrechen die Realität, Traum, Erinnerung und Wirklichkeit verschwimmen. Auch sprachlich bedient sich die Autorin immer wieder des Erzählstils von Märchen, was ich als interessanten erzählerischen Kniff empfunden habe. Diese Märchenhaftigkeit mochte ich grundsätzlich gerne. Leider verliert sich die Autorin in einigen dieser Szenen meiner Meinung nach etwas und die Beschreibungen rutschen hin und wieder ins Kitschige ab.

Auch die Vielzahl an Themen, Motiven und Schicksalen war mir stellenweise zu viel. Nicht alles bekommt den Raum, den es verdient hätte, manche Szenen wiederholen sich, andere werden sehr ausgedehnt erzählt. Gerade Ellis Erfahrungen als Geflüchtete und die Frage, was Flucht und Anpassung langfristig mit der eigenen Identität machen, hätte ich gerne intensiver verfolgt. Viktorias Geschichte hätte dafür aus meiner Sicht etwas gestrafft werden können.

Im Licht des neuen Tages verbindet Realität und Märchen auf interessante Weise, hätte für mich aber von einer stärkeren Konzentration auf einzelne Themen und Figuren profitiert.