Ein atmosphärischer Roman

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IM LICHT DES NEUEN TAGES
Jarka Kubsova
ET: 26.08.26

„Manchmal sehen wir uns ratlos an. Manchmal weinte sie kurz. Und ich schämte mich, so groß und alt zu sein, ich fühlte mich schuldig, ihr das nicht geben zu können, was sie sich so sehr zurückgewünscht hatte. Ich war nicht mehr ihr Glück, ich war ihr Schmerz.“ (S. 181)

Die Schriftstellerin Elli Hajek leidet unter der Trennung von ihrer Tochter, die zum Studium das mütterliche Nest verlässt. Eigentlich wollten Elli und ihr Lebensgefährte nun zusammenziehen. Doch plötzlich kann sie sich nicht mehr dazu durchringen, diesen Schritt zu gehen. Stattdessen mietet sie kurzerhand, ohne mit ihm darüber zu sprechen, ein Haus im böhmischen Wald. Dort möchte sie ihre Schreibblockade überwinden.

Doch auch hier kommt alles anders: Elli beginnt, sich intensiver mit ihrer eigenen Herkunft auseinanderzusetzen. Ihre Gedanken führen sie zurück in die Jahre, bevor sie mit ihren Eltern nach Deutschland floh und noch Eliška Hájková hieß. Ihre Eltern schämten sich ihrer tschechischen Herkunft und bemühten sich, ihren Akzent abzulegen und sich in Deutschland möglichst unauffällig einzufügen. Gleichzeitig erinnert sich Elli an die Erzählungen ihrer Großmutter über die Legende der Viktorka.

Kurzentschlossen begibt sie sich in Tschechien auf Spurensuche. Sie möchte mehr über Viktorka erfahren und entdeckt dabei, dass diese tatsächlich gelebt hat. Ihr Schicksal war jedoch ein völlig anderes, als es in den Büchern überliefert wurde.

Jarka Kubsova verbindet auf wunderbare Weise wichtige Themen wie Flucht, Herkunft, familiäre Prägung und Identität mit einer atmosphärischen Geschichte. Besonders schön fand ich, wie sich Ellis persönliche Geschichte und die Vergangenheit ihrer Familie miteinander verweben.

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Buch, denn MARSCHLANDE war ein Highlight für mich. Die erste Hälfte konnte mich allerdings nicht durchgängig fesseln. Vor allem die Märchen und Erzählungen rund um Viktorka hatten für mich einige Längen. Doch dann nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf und entwickelt einen Sog, dem ich mich kaum noch entziehen konnte. Ab diesem Punkt wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Fazit:
Ein atmosphärischer Roman über Flucht, Herkunft, familiäre Prägung und die Suche nach der eigenen Identität, der mir insgesamt sehr gut gefallen hat, für mich jedoch nicht ganz an den starken Vorgänger MARSCHLANDE heranreicht.
4/5