Es war einmal und war es nicht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
auserlesenes Avatar

Von

Nach dem Auszug ihrer erwachsen gewordenen Tochter Klara fühlt sich Elli Hajek, eigentlich Eliška Hajkova, einsam und fremd in der Wohnung. Ihr Partner Jan unterstützt die Schriftstellerin. Doch sie steckt in einer Schreibkrise und sehnt sich nach Ruhe und Abstand, um diszipliniert an ihrem neuen Roman arbeiten zu können. Daher zieht sich Elli in ein abgelegenes Haus im böhmischen Wald zurück. Dort sucht sie nicht nur ihre eigene, verdrängte Geschichte heim, sondern auch Viktorka, die 200 Jahre zuvor gelebt hat und als rätselhafte Figur in die tschechische Literatur eingegangen ist…

„Im Licht des neuen Tages“ ist ein Roman von Jarka Kubsova.

Eingeleitet von einem Prolog, wird die Geschichte in sieben Kapiteln erzählt - vorwiegend, aber nicht nur in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Elli.

Mehrfach betritt der Roman eine Metaebene. Zum einen behandelt er eine Figur der tschechischen Literatur, die wiederum im 19. Jahrhundert real existiert hat: Viktorka aus Božena Němcovás Roman „Die Großmutter“. Eine spannende und vermutlich oft missverstandene Person, die wohl zu Unrecht als Verrückte und Kriminelle abgestempelt worden ist. Somit beschäftigt sich Kubsovas Werk mit weiblicher Geschichtsschreibung.

Zum anderen arbeitet Protagonistin Elli, die Schriftstellerin mit tschechischen Wurzeln, eben gerade an jenem vorliegenden Roman, den wir lesen. Die Schwierigkeiten beim Schreiben, die Recherche für ein Buch und ähnliche Aspekte finden Eingang in den Text.

Zugleich verarbeitet Jarka Kubsova in der Geschichte einen Teil ihrer persönlichen Biografie: die tschechischen Wurzeln und die Flucht als Kind nach Deutschland. Folglich geht es in ihrem Roman auch um Herkunft, Migration, Integration, Heimat, Entfremdung und ähnliche Themen.

Nicht zufällig spielt ein Großteil der Handlung im Wald, einem mythischen Ort, der häufig in Sagen und Erzählungen auftaucht. Dies macht die besondere Atmosphäre des Romanes aus. Dazu passt der unaufgeregte, aber eindrückliche Erzählton.

Auf den rund 300 Seiten verschwimmen dabei immer wieder die Grenzen zwischen Realität und Fiktion, zwischen Traum, Märchen und Erinnerungen. Zum Teil streift der Roman den magischen Realismus. Aufgrund dieser Unklarheiten hat mich die Geschichte mehrfach ein wenig verloren und verwirrt. Trotz des aufmerksamen Lesens fand ich es schwierig, der Handlung durchgehend zu folgen und alle Implikationen zu erfassen.

Mein Fazit:
„Im Licht des neuen Tages“ von Jarka Kubsova ist ein vielschichtiger, tiefgründiger und thematisch reizvoller Roman. Eine besondere und empfehlenswerte Lektüre, auch wenn sich eventuell nicht jedes Detail erschließen mag.