In den Wald, in die Geschichte

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yasemin kaplan Avatar

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Elli Hajek ist Schriftstellerin. Spätestens nachdem ihre Tochter Klara, einziges Kind der alleinerziehenden Mutter, auszieht, wächst in Elli der Wunsch nach einem grundlegenden Neuanfang. Auch ihr langjähriger Freund Jan kann sie nicht von dem etwas abenteuerlichen Vorhaben, in eine einsame Hütte in einem Wald zu ziehen, abhalten.

Elli hat das klare Ziel vor Augen, einen wirklich guten Roman zu schreiben. Den besten, wie sie sagt, den sie je geschrieben hat. Denn auch die Kritik, ihren Geschichten fehle es an Wärme, hat sie gekränkt. Obwohl ihr das Schreiben zunächst kaum gelingt, setzt die Stille des Waldes etwas anderes in Bewegung. Sie glaubt plötzlich Viktorka vor sich zu sehen, jene geheimnisvolle Frau, deren Geschichte sie seit ihrer Kindheit kennt.

Der Wald ist dabei weit mehr als nur ein abgeschiedener Ort zum Schreiben. Je weiter Elli sich räumlich von ihrem bisherigen Leben entfernt, desto tiefer scheint sie in eine andere Geschichte einzudringen – und zugleich in ihre eigene. Der Wald führt sie zurück zu den Erzählungen ihrer liebevollen Großmutter, von dort zu Viktorka und schließlich auf die Suche nach der Frau, die hinter dieser Geschichte steckt. Was zunächst wie eine Flucht aus dem eigenen Leben wirkt, scheint sie immer näher an ihre eigene Vergangenheit heranzuführen.

Jarka Kubsova hat einen sehr angenehmen Erzählstil. Man hat das Gefühl, die Erzählstimme wolle sich dem Leser keineswegs aufdrängen und nur dann dramatisch werden, wenn es unbedingt notwendig ist. So traut man sich der Ich-Erzählerin geradezu an und geht mit ihr in diesen verlassenen Wald, um sich anzuhören, was sie uns zu erzählen hat. Der Roman scheint nicht bloß eine Recherchegeschichte zu erzählen, sondern auch die Frage zu stellen: Was muss eine Schriftstellerin zulassen, damit sie wirklich erzählen kann?