Märchenhaft

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Das Buch hat mich angesprochen, weil ich mich schon auf den ersten Seiten der Protagonistin Elli so nah gefühlt habe. Sie flieht in den Wald, weil sie Ruhe sucht, weil sie sich vor zu viel Nähe scheut und ganz mit sich und ihrer Arbeit allein sein will. Dazu hat mich die Aussicht auf viel Waldstimmung und Natur angesprochen. „Im Licht des neuen Tages“ ist dann aber doch etwas anders als erwartet.

Es geht viel um verdrängte Erinnerungen an eine Kindheit, für die Elli sich schämt. Es tut mir leid, dass ich diese Scham nicht ganz nachvollziehen konnte, wahrscheinlich weil ich selbst eine solche Geschichte nicht habe. Ich bin aber leider auch insgesamt mit Elli nicht warm geworden; weder konnte ich ihre Gefühle richtig nachvollziehen noch fand ich sie sonderlich sympathisch. Ellis Leben im Wald ist tatsächlich nur ein Nebenschauplatz. Die Tür zu ihren Erinnerungen öffnet sich, während sie dort lebt und parallel in eine andere Geschichte eintaucht, nämlich die der Schriftstellerin Božena Němcová und deren Figur der Viktorka aus einer ihrer bekanntesten Geschichten.

Auf der Spur von Němcovás Werk „Die Großmutter“ begibt sich Elli nach Tschechien, um mehr über die Vergangenheit der Autorin, aber auch Viktorka und schließlich sich selbst herauszufinden. Ich finde es immer spannend, zu lesen, dass jemand sich so in ein Thema hineinstürzen kann. Zeitweise erschien mir Ellis Suche ziemlich irrational und unrealistisch. Ich habe vermutet, dass sie doch nur vor ihrer Arbeit und ihrem eigenen Leben flüchtet, da bestätigt sie es selbst und nimmt mir quasi den Wind aus den Segeln. Dieser Teil der Reise nach Tschechien hat mir dann auch gut gefallen, für solche Roadtrip-Themen bin ich fast immer zu haben.

Ich war auch neugierig bezüglich der realen Hintergründe und habe wie Elli im Internet gesucht. Božena Němcová scheint in Tschechien für die Nacherzählungen ihrer Märchen und Volkssagen ähnlich bekannt zu sein wie in Deutschland die Brüder Grimm und auch die Figur der Viktorka hat es wirklich gegeben. Deren Geschichte hat mir dann auch am besten gefallen, da sie am meisten bewegt und wütend macht. Hier taucht man ins dörfliche Leben der Vergangenheit ein und hier habe ich auch die Naturschilderungen, die Stimmung im Wald gefunden, die ich erwartet hatte.

In der Erzählung sind auch immer wieder mystische, märchenhafte Elemente zu finden, wie die alte Frau, der Elli im Wald begegnet. Manchmal ist nicht ganz klar, ob Elli etwas wirklich erlebt hat oder ob sie sich in ihrer großen Vorstellungskraft verliert. Auch wenn die ein oder andere Frage am Ende offen bleibt, werden die Fäden „Im Licht des neuen Tages“ zusammengeführt und ergeben ein rundes, stimmungsvolles Leseerlebnis.