Märchenhafte Selbstfindung

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Jarka Kubsova erzählt in ihren Büchern gern von starken Frauengestalten in Vergangenheit und Gegenwart, die zumal in früheren Zeiten oft Anfeindungen ausgesetzt waren. Sie erzählt auch von der Natur, ihrer wilden Schönheit und Kraft. Beides verbindet sie in ihrer bildhaften, atmosphärisch dichten Sprache zu eindrücklichen Erzählungen, die lange nachhallen. So auch in diesem Buch: Eine Schriftstellerin in mittleren Jahren ist in ein altes Häuschen im Wald gezogen, einsam gelegen in einem Naturschutzgebiet. Hier will sie Ruhe finden um zu schreiben, aber auch, um den Sorgen zu entfliehen, die sie umtreiben, lauter unbewältigte Probleme. Begonnen hatten sie mit dem Verlust der böhmischen Heimat in der Kindheit, der Trennung von der geliebten Großmutter, die ihr unzählige Märchen und Geschichten erzählt hatte, dem Aufwachsen im Westen, in der Fremde. Nun quälen sie Schuldgefühle, der Wegzug der inzwischen erwachsenen Tochter, das Drängen des Geliebten zu einer Bindung.
Der dichte Wald hinter dem Haus aber weckt Erinnerungen an ihre Kindheit und die Erzählungen der Großmutter. Sie erinnert sich besonders an eine Frauengestalt, Viktorka, die allein im Wald gelebt hatte, ausgestoßen aus der Gesellschaft und der eigenen Familie. Angeblich hatte sie tatsächlich existiert. Dieser Geschichte möchte sie auf die Spur kommen, und so reist sie in ihre alte Heimat, die sie nach der Flucht ihrer Familie in den Westen schmerzlich vermisst hatte. Von nun an wird das Geschehen immer märchenhafter. Es bleibt unklar, was noch Realität ist, was Traum oder Einbildung, auch für die Protagonistin. Die Grenzen verschwimmen, auch zwischen dem Wald in Böhmen und dem hinter ihrem Wohnhaus.
Sie erlebt den nahezu undurchdringlichen, naturbelassenen Wald als lebendiges Wesen, über und unter der Erde verbunden, das magische Kräfte entwickeln und einen Menschen umfangen und bergen kann. Der Wald ist eine Metapher für Natur, für Freiheit und Ungebundenheit, Schutz vor der Ungerechtigkeit und Grausamkeit der Menschen. Sie fühlt sich befreit durch das Zulassen ihrer Erinnerungen, auch der schmerzhaften, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.
Es ist eine poetische Geschichte, in schönen Bildern erzählt, aber für mein Empfinden zu märchenhaft.