Stimmungsvoll, märchenhaft schön

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bartie Avatar

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„Aber die wahre Geschichte kannte nur der Wald.“ (263)

Nachdem ihre Tochter Klara aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist, empfindet die Schriftstellerin Elli Hajek nur eine schreckliche Leere. Gleichzeitig hat sie Angst vom Zusammenleben mit ihrem Partner Jan, der ihr eine Stütze sein will und an eine gemeinsame Zukunft mit ihr denkt. An einem abgelegenen Ort, in einer einsamen Waldhütte, hofft die Schriftstellerin all ihren Problemen und Sorgen zu entfliehen, und ihre jetzige Schreibblockade zu überwinden.

„Erst hört man den Wald atmen. Dann flüstern. Dann gibt er die Dinge preis, die er aufbewahrt.“ (9)

In der einsamen Hütte im Wald erinnert sich Elli Hajek an ihre Kindheit und die Geschichten, die ihr ihre tschechische Babička oft erzählt hat. Eine davon war die Geschichte über die verrückte Viktorka, die jahrelang in den böhmischen Wäldern lebte. Elli erfährt, dass Viktorka keine fiktive Figur ist, dass sie tatsächlich lebte. Um die ganze Wahrheit über Viktorkas Schicksal zu erfahren, reist Elli nach Tschechien, besucht die Orte des Geschehens und erlebt den Wald, der damals, für die von der Gemeinschaft verstoßene junge Frau, ihr Zuhause wurde. Dabei macht Elli Erfahrungen, die ihr helfen, sich selbst und ihre eigene Lebensgeschichte besser zu verstehen.

In ihrem atmosphärischen Roman hat mich Jarka Kubsova in eine Welt des tschechischen Märchens und der Überlieferung entführt. Sie greift darin auf die klassische Märchengeschichte von Bozena Nemcova aus dem Jahr 1855 zu und verknüpft sie kunstvoll mit der Geschichte einer modernen Frau, der Schriftstellerin Elli Hajek.

Das beliebte Viktorka-Erzählung ergänzt die Autorin mit den Ergebnissen von Ellis aktueller Recherche, welche ein neues Licht auf das Leben von Viktorka wirft. Viktorkas tragische Geschichte berührt und erschüttert zutiefst. Gleichzeitig wirkt sie erstaunlich aktuell, denn vieles davon, was Viktorka widerfahren ist, findet auch heutzutage in verschiedenen Milieus statt.

Auch Ellis Geschichte hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht. Denn auch sie musste zuerst innehalten, über ihr bisheriges Leben nachdenken, zu sich selbst finden. Klug und nachvollziehbar schreibt die Autorin in dem Teil über solche Themen, wie Flucht, Sprache, Integrität, kulturelle Identität, Leben in Freiheit. Alles sehr wichtige Themen, heutzutage von großer Bedeutung.

Ich habe den Roman sehr gerne gelesen, die atmosphärische Erzählung sehr genossen. Besonders die poetischen, gefühlvollen Beschreibungen der Natur, insbesondere die authentisch wirkenden Beschreibungen des lebendigen Waldes, sprachen mich innerlich an. Die Geschichten der beiden Frauen, einfühlsam erzählt, bleiben lange in meiner Erinnerung.