Wenn Märchen in die Wirklichkeit übertragen werden entstehen tiefsinnige Gedanken
Im Licht des neuen Tages – Jarka Kubsova
„Im Licht des neuen Tages“ hat mir sehr gut gefallen. Besonders gerne lese ich Bücher mit einem historischen Hintergrund, und genau das hat mich hier besonders angesprochen. Die Verbindung zu Božena Němcová und ihrer Geschichte fand ich sehr interessant. Dass die Autorin von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ in Tschechien vor allem für ein anderes Werk bekannt ist, war für mich eine spannende Entdeckung.
Besonders berührt hat mich Viktorkas Geschichte. Sie wurde vergewaltigt, doch später wurde ihr Schicksal so dargestellt, als sei sie aus Liebe zu einem Soldaten verrückt geworden. Dass die Geschichte einer Frau einfach umgedeutet wird, ist leider ein Thema, das bis heute aktuell ist. Gerade deshalb konnte ich Viktorkas Geschichte sehr gut auf unsere heutige Zeit übertragen.
Auch Elli hat mir als Hauptfigur sehr gut gefallen. Sie wirkt unglaublich menschlich und authentisch. Ihre Zweifel, ihr Wunsch, eine gute Mutter zu sein, und vor allem das Gefühl, sich selbst neu finden zu müssen, nachdem die Tochter auszieht – vieles davon wird vermutlich vielen Frauen bekannt vorkommen. Die Verbindung zwischen Elli und Viktorka fand ich ebenfalls sehr gelungen. Es entsteht das Gefühl, dass Frauen einander manchmal auch über Generationen hinweg verstehen und „spüren“ können.
Besonders begeistert hat mich Kubsovas Schreibstil. Sie schreibt sehr bildlich und atmosphärisch. Vor allem die Szenen im Wald waren für mich so lebendig, dass ich das Gefühl hatte, ihn vor mir zu sehen, die Geräusche zu hören und ihn beinahe riechen zu können.
Ein kleiner Punkt: Ich würde das Buch nicht unbedingt in einer sehr schwierigen oder deprimierten Phase lesen, da die teilweise schweren Themen einen durchaus zusätzlich belasten können.
Für mich ein eindringlicher, atmosphärischer und sehr nachdenklich stimmender Roman, der noch eine Weile nachwirkt.