Zutiefst atmosphärisch, kämpferisch und anspruchsvoll

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nessabo Avatar

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Mein erster Roman von Jarka Kubsova war nicht unbedingt ein Spaziergang. Das atmosphärische Setting war beeindruckend, die Erzählweise hat mir aber viel Konzentration abverlangt und der erwartete Feminismus kam für mich überraschend spät.

Ich kann nach diesem Roman schon nachvollziehen, warum die Autorin ihre Fans hat. Sie hat zweifelsfrei ein Händchen für märchenhafte und mystisch angehauchte Geschichten. Obwohl ich Hexenelemente sehr mag, bin ich von den vielen Waldszenen nicht so überzeugt gewesen. Es ist sehr nachvollziehbar, warum sowohl Eliška als auch Viktorka so eine besondere und zugleich individuell verschiedene Beziehung zum Wald haben. Aber streckenweise war es mir doch etwas zu zäh.

Auch die Erzählart war wirklich anspruchsvoll. Nicht nur die Zeitebenen, sondern auch die Erzählperspektiven verschwimmen miteinander. Auch wenn das grundsätzlich gut geeignet ist, um die Parallelen der beiden Figuren aufzuzeigen, bevorzuge ich eine klare Abgrenzung. So musste ich mich schon sehr fokussieren, um nicht den Faden zu verlieren.

Toll fand ich wiederum die Schilderung einer Fluchtgeschichte aus Kinderperspektive. Die verlorene Sprache, verlorene Geschichten und Kultur - der Schmerz ist hier in jeder Zeile spürbar. Außerdem konnte ich so viel über tschechische Geschichte, eine Geschichte von Unterdrückung und Verdrängung, lernen. Und ebenso etwas über tschechische Märchen, die oft vergleichsweise schrecklich sind und sich nicht selten auf Mythen beziehen. Wiederholt tauchen da auch freiheitsliebende Frauenfiguren auf, die allerdings eher als verrückt oder böse interpretiert wurden.

Vor allem am Ende nahm der Roman für mich Fahrt auf. Ich fand es richtig gut, wie die Autorin schlussendlich Viktorka selbst ihre Geschichte von Trauma und Gewalt, aber auch Naturverbundenheit und Heilung erzählen lässt. Da endlich bekam ich dann auch, was ich viel früher erwartet hatte: eine starke, feministische Frauenfigur.

Mit guten Elementen und einem sehr hohen Anspruch ist das Werk sicher etwas für die Fans Kubsovas. Die düstere, mystische Atmosphäre hat nicht ganz meinen Geschmack getroffen und doch konnte ich so viel über tschechische Geschichte und Kultur lernen, dass ich die Lektüre als bereichernd empfunden habe.