Zwischen Märchen und Realität

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federfee Avatar

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Elli Hajeks Leben gerät aus den Fugen, als ihre Tochter, die sie alleine aufgezogen hat, endgültig zum Studieren weit weg zieht. Sie fühlt eine innere Leere und lässt sich auch von ihrem Freund Jan nicht trösten. Sie erträgt ihn nicht und zu allem kommt noch ihre Schreibblockade, obwohl ein Abgabetermin für ein Manuskript näher rückt.

Ohne sich mit Jan abzusprechen, mietet sie ein Haus im Wald, in das sie sich zurückzieht, ‘fort von allem’ (14). Doch dann liegt sie mit Fieber im Bett und die Erinnerungen kommen. Als krankes Kind kümmerte sich ihre Großmutter, ihre Babička, um sie und erzählte ihr tschechische Märchen von Božena Němcová, die auch ein Buch über eine geheimnisvolle Frau namens Viktorka geschrieben hat, eine, die ihr Leben lang alleine im Wald wohnte und die tatsächlich gelebt hat.

Spontan bricht Eliska Hájková, wie Elli vor ihrer Einbürgerung hieß, nach Tschechien auf, in ihre Heimat, um das Schicksal von Viktorka zu erforschen. Von nun an mischen sich Märchen, Erinnerungen und reale Welt, zuerst unmerklich für den Leser. Elli schwankt zwischen Vertrautem und Fremdsein. Es stellt sich schnell heraus, dass sie sich zuerst ihrer eigenen verdrängten Geschichte, den Traumata aus der Kindheit stellen muss: die Flucht in ein neues Leben, der Verlust der geliebten Großmutter, verbunden mit einem schlechten Gewissen wegen eines gebrochenen Versprechens, der Frage nach ihren Wurzeln, nach Heimat und Zugehörigkeit, nach Selbstbestimmung und Identität.

“Finde die Wahrheit über dich heraus!”

Das alles bricht über Elli herein, als sie wieder zurück ist, sich im Wald verirrt und dort eine Nacht verbringt, sehr eindrucksvoll und poetisch beschrieben, der Wald mit seiner heilenden Wirkung. Sie gewinnt Erkenntnisse über ihre Vergangenheit - ihr ganzes Leben zieht an ihr vorbei - und ihre Zukunft, Einsichten, die vielleicht ein wenig zu geballt und zu plötzlich kommen, aber einen abgerundeten Schluss bilden.
‘Ich hatte Viktorkas und Bozenas Geschichte gesucht und dabei auch meine gefunden.’ (297)

Fazit
Das Märchenhafte scheidet die Geister der Leser - nicht jeder mag das. Aber ihre Reise zu sich selbst ist sehr ansprechend poetisch beschrieben, besonders die Szenen im Wald. Wer es ein wenig magisch mag, wird an diesem Buch seine Freude haben.