Grandioser vierter Band

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Mehrere Videos kursieren im Netz, in denen sich eine unkenntlich gemachte junge Frau namens Kessy X zu einer Affäre mit dem Bundeskanzler bekennt. Wahrheit oder Fake? Kurz darauf verschwindet der Bundeskanzler Hendrik Westphal und es ist zunächst unklar, ob er untergetaucht ist oder entführt wurde. Der politische Druck ist jedenfalls enorm, da das Land ohne Führung dasteht. BKA-Ermittler Art Mayer nimmt mit seiner Kollegin Nele Tschaikowski die Ermittlungen auf. Dabei stoßen sie auf eine Frauenleiche in einem U-Bahntunnel. Das Opfer trägt das gleiche Eulen-Tattoo wie Kessy X. Ein Zufall?

„Im Morgengrauen“ ist der vierte und wahrscheinlich letzte Band der großartigen Art Mayer-Reihe. Ich habe alle Bände mit Begeisterung gelesen und rate auch jedem dies in der chronologischen Reihenfolge zu tun. Die Reihe baut stark aufeinander auf und die Entwicklung der einzelnen Figuren sollte man von Beginn an mitverfolgen. Zudem lösen sich viele Fragen der Nebenhandlungen erst von einem über das andere Buch auf.
Hier geht es auf jeden Fall gleich spannend los und schon nach wenigen Seiten tauchen jede Menge Rätsel auf. Die Spannung liegt hoch und kann sich auch bis zur letzten Seite halten. Marc Raabe hat einen modernen und flüssigen Schreibstil und versteht es den Leser an das Buch zu fesseln. Es gibt zahlreiche Wendungen, die ein ständiges Umdenken erfordern. Die Beschreibungen einzelner Szenen sind absolut gelungen und man kann sich perfekt in die Situation hineinversetzen. Dank ständig wechselnder Perspektiven und der angenehm kurzen Kapitel fliegt man nur so durch die knapp 600 Seiten. Sehr gut gefallen hat mir in diesem Band die Entwicklung von Nele, die sozusagen über sich hinauswächst. Für Art ist es eher sein persönlichster Fall und er hat auch mit Enttäuschungen zu kämpfen. Trotzdem seiner Alleingänge bleibt er für mich ein Sympathieträger.
Wie schon bei den Vorgängerbänden dominiert hier eine Farbe das Cover, gepaart mit einem Tier, das einen starken Bezug zum Inhalt hat. Nicht nur schön anzusehen, auch der Wiedererkennungswert wird dadurch gesteigert.
Insgesamt ist „Im Morgengrauen“ ein Top-Thriller. Die Handlung ist super konstruiert und wirkt trotzdem nicht aufgesetzt. Und die beiden Protagonisten sind mir richtig ans Herz gewachsen. Ich würde gerne noch mehr davon lesen. Sollte es dennoch der letzte Band gewesen sein, wird mir diese Reihe auf jeden Fall noch lange in Erinnerung bleiben.