Spannende Unterhaltung, Kenntnis der vorherigen drei Bände sollte gegeben sein!

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
nordlicht Avatar

Von

Inhalt
In den sozialen Netzwerken machen Videos einer anonym bleibenden jungen Frau namens Kessy X die Runde, in denen diese behauptet, eine Affäre mit Kanzler Henrik Westphal (gehabt) zu haben. Andeutungen zufolge soll er seine Stellung dazu ausnutzen, jungen Frauen nachzustellen.
Kurz darauf verschwindet der Kanzler spurlos. Art Mayer, ein Jugendfreund des Vermissten, und seine Kollegen vom BKA ermitteln in diesem Fall, als sie auch noch einen Mordfall auf den Tisch bekommen. Im U-Bahn Tunnel der Linie 5 wird eine kopflose Frauenleiche auf den Gleisen gefunden. Anhand ihrer Tätowierungen könnte es sich um Kessy X, die Erstellerin der Videos, handeln, deren Eulen-Tattoo im Video sichtbar war. Der Gedanke liegt also nicht fern, dass der Vermisstenfall und der Mord zusammenhängen, aber die Ermittlungen gestalten sich wesentlich weitreichender als es zunächst absehbar ist…

Beurteilung
Der vierte Band der Reihe um Art Mayer und seine Kollegin Nele Tschaikowski sollte auf keinen Fall ohne Kenntnis der vorherigen Bände gelesen werden, da es ansonsten extrem schwierig wäre, der Handlung zu folgen. Diese nimmt immer wieder Bezug auf die gemeinsame Jugendzeit von Art, Henrik und einigen weiteren Jugendfreunden, die Gruppendynamik in dieser Clique und ein traumatisches Ereignis, das die Gruppe verband. Auch Nele Tschaikowski hat eine persönliche Geschichte, deren Entwicklung man seit dem ersten Band kontinuierlich verfolgen kann.
Die Erzählung springt zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, wobei der Tag von Henriks Verschwinden als „Tag Null“ gesetzt ist. Auch die Perspektive wechselt zwischen den Ermittlern und Kessy X nebst ihrem Umfeld stetig, sodass die Lektüre eine gewisse Konzentration verlangt. Die einzelnen Handlungsstränge sind bis in Details sehr gründlich ausgearbeitet, mit einer sehr anschaulichen und höchst spannenden Erzählweise.
Gleichzeitig werden aktuelle Themen angesprochen, so z.B. der Umgang von „Machtmenschen“ mit Frauen und die Erwartungen an berufstätige Frauen, die Mütter sind – oder Mütter, die berufstätige Frauen sind.
Insgesamt hat der Autor mit der gesamten Art Mayer-Reihe einen äußerst komplexen Mikrokosmos geschaffen, der spannende Unterhaltung garantiert, in dem aber doch einige Details nicht ganz realistisch wirken.

Fazit
Spannende Unterhaltung, Kenntnis der vorherigen drei Bände sollte gegeben sein!