Eisige Atmosphäre
Das Fetzigste an dieser Leseprobe ist definitiv das scifi-mäßige Setting, in dem die Menschheit einfach mal den kompletten Winter verschläft, während die Welt draußen im Tiefkühlmodus stillsteht. Richtig stark rübergebracht ist dieser Kontrast zwischen dem einsamen, verfrühten Aufwachen der Hauptfigur Isa und der tiefgefrorenen, leeren Gesellschaft um sie herum. Der Schreibstil kommt unaufgeregt und direkt rüber, fast schon ein bisschen unterkühlt, was perfekt zu dieser eisigen Atmosphäre passt. Simone Weinmann verzichtet auf Prunk und liefert stattdessen kurze, knackige Sätze, die einen sofort in Isas dösige, fröstelnde Perspektive hineinziehen. Isa wirkt herrlich normal und nahbar, weil sie eben nicht die Heldin spielt, sondern erst mal griesgrämig Proteinriegel in sich hineinstopft und Angst vor der totalen Einsamkeit hat. Die Hotel-Crew und die anderen „Frühaufsteher“ im Luxusknast sind ein herrlich schräger Haufen mit handfesten Macken, bei denen man sofort wissen will, was ihre Vorgeschichte ist. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht, ob Isa da heil wieder rauskommt und was eigentlich das echte Geheimnis hinter diesem mysteriösen, verfrühten Erwachen ist.