Endzeitgefühle
Das Cover hat mich auf den ersten Blick abgeschreckt, auch mit dem Titel konnte ich wenig anfangen. Der Klapptext und die Leseprobe haben mir dann wieder bewiesen, dass man nicht vom Cover auf ein Buch schließen sollte. Menschen, die Winterschlaf halten, der Gedanke wirkt auf mich so dystopisch, das er fast schon wieder real wird. KI hat die staatliche Gewalt übernommen, Ressourcen wurden anderweitig umverteilt und die Menschen halten Winterschlaf, um eben jene Ressourcen zu schonen. 6 Monate lang schlafen, das ist auch der Plan von Isa, bis sie unerwarteterweise zu früh aufwacht. Sie landet in einem Hotel, mit anderen Menschen, die zu früh aufgewacht sind. Was erstmal trostspendend klingt, entpumpt sich als einsame, verlassene Erfahrung. Im Gefühl der Einsamkeit findet sie in einem Computerspiel eine Zuflucht. Doch langsam verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Realität. Der Erzählstil ist langsam und fängt die trostlose Unruhe des Buches perfekt ein. Zwischenzeitlich erging es mir, wie der Protagonistin, ich konnte die Langeweile und Unruhe ebenfalls nachspüren. Dadurch fiel es mir teilweise sehr schwer das Buch zu lesen und ich habe es als mühsam und schleppend empfunden. Die Spiralen, in denen Isa in ihren ruhigen, nachdenklichen Momenten verfällt, das vor sich hin vegetieren, hat mich schon während des Lesens verwirrt und gleichzeitig mich unruhig fühlen lassen. Durch das Verschwimmen zwischen Realität und Computerspiel habe ich mich oft nach dem Sinn gefragt, nach den Zusammenhängen und bin mit diesen Fragen bis zu einem gewissen Grad zurückgelassen worden. Der Roman bietet eine mögliche Erklärung, allerdings bleiben manche Fragen und Überlegungen offen. Entspringen diese der überbordenden Fantasie der dort lebenden Menschen? Gibt es, wenn es keine Aufgaben mehr gibt, mehr Verschwörungstheorien, vielleicht auch mehr psychische Erkrankungen, weil die Menschen verzweifelt nach einem Sinn suchen? Das Buch wirkt während dem Lesen unscheinbar, aber die Fragen und Denkanstöße, die dieses Buch enthält, hallen noch lange nach. Ein Buch zum reflektieren, diskutieren und philosophieren und eine klare Lesempfehlung von meiner Seite. Von meiner Seite gibt es vier Sterne, ein Stern Abzug, dadurch, dass ich so oft Schwierigkeiten hatte durch das Buch zu kommen.