Wo ist der Aus-Knopf?

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Nördliche Erdhabkugel, 15. Dezember. Alle Menschen befinden sich im Winterschlaf. Die große KI sagt, dies sei ressourcenschonend. Die Menschen mögen den Sommer eh mehr, sagen Einige. Der Schnee fällt, Isa erwacht unplanmäßig. Wie es die Regeln besagen, holt sie ein Arzt ab - sie muss in ein Hotel. Ihr begegnen eine Handvoll Aufgewachte, sie fristen die Zeit zusammen. Isa schreibt Textnachrichten an ihren Partner, ihre Schwester und ihren Vater. Sie können sie lesen, bevor sie wieder einschlafen.
Einst hatte Isa einen Unfall, noch heute macht ihr ihr Körper zu schaffen. Vielleicht hat das einen Sinn, sagten sie ihr.
Im Hotel gibt es wenig Anregung, sie versucht sich an einem Neurospiel. Isa erwacht auf dem Mars und kann auf einmal schwimmen wie nie zuvor. Nur wieso sieht sie plötzlich Clio, die eigentlich in der wahren Welt sein müsste? Und warum wird das Spiel nicht beendet, wenn sie den Befehl dazu gibt? Kann Isa die Anomalien bewältigen oder droht sie im Spiel verloren zu gehen?

Der Bucheinband schimmert irisierend in Blau und Violett, als sähe man auf einen Bildschirm.
Simone Weinmann ist eine atmosphärische Dystopie gelungen. Die Geschichte entwickelt durch das Wechseln vom realen Leben im Hotel zu den Textnachrichten an die noch Schlafenden hin zum Neurospiel auf dem Mars eine unglaubliche Sogwirkung. Wie sich Isa in einem starren, durch KI fremdgesteuerten und manipulierten System aus der Isolation befreit und sich selbst findet, hat mich sehr bewegt. 

Die Hauptfigur ist stark. Isa war früh für sich und Andere verantwortlich, musste um Aufmerksamkeit kämpfen; sie will gebraucht werden, erschöpft sich, nimmt eigene Grenzen nicht wahr; wo ist ihr Weg? Wo ist der Sinn? 

Ein Roman für alle, die verstehen wie es ist, eine Auszeit von der Dauerbeschallung und Vereinnahmung zu brauchen. Auch für Jugendliche empfehlenswert, die sich in mancher Emotion sicherlich wiederfinden können.