Extrem klischeehafte Romantasy

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sneaky_reader Avatar

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Die Geschichte spielt in einer Welt, in der Männer bereits vor langer Zeit als das schwächere Geschlecht ausgestorben sind. Über das Reich Imperia herrscht Timere, während ihre Tochter Jara als loyale Bürgerin in einem System aufwächst, das Ordnung, Gehorsam und Disziplin über alles stellt und keinen Platz für Gefühle lässt.
Optisch hat mich das Buch sofort überzeugt. Sowohl das Cover als auch der Buchschnitt sind echte Hingucker, und auch die Goodies, die mitgeschickt wurden, passen perfekt zur Geschichte.
Der Klappentext hat mich ebenfalls sofort angesprochen. Ich hatte auf eine dystopische Geschichte gehofft, in der ein korruptes System vorgestellt wird und Jara nach und nach erkennt, wie unmenschlich dieses Regime ist, um schließlich gemeinsam mit Menschen außerhalb der Mauern Imperias dagegen anzukämpfen.
Genau das liefern auch die ersten Kapitel. Das diktatorische System wird spannend eingeführt und Jara ist eine Protagonistin, die viele Regeln zwar nicht versteht, sie aufgrund ihrer Erziehung aber nicht infrage stellt. Dieser Einstieg hat mir wirklich gut gefallen.
Leider ging es für mich ab dem Kapitel „Eine neue Welt“ steil bergab.
Ohne zu spoilern, fällt es mir schwer, alle Kritikpunkte ausführlich zu erklären. Ich werde es trotzdem versuchen, wobei kleine Spoiler folgen könnten.
Mein größtes Problem war eindeutig die Liebesgeschichte. Sie folgt nahezu jedem erdenklichen Romantasy-Klischee. Die beiden Love Interests erklären sich nach kürzester Zeit praktisch zur großen Liebe, obwohl sie sich kaum wirklich kennengelernt haben. Ihre gesamte Anziehung basiert fast ausschließlich darauf, dass sie sich gegenseitig attraktiv finden. Dadurch wirkte die Beziehung auf mich oberflächlich und überhaupt nicht glaubwürdig.
Auch das ständige „Ich will dich, aber ich darf nicht“ empfand ich nicht als romantisch, sondern eher als kindisch. Kommunikation hätte die meisten Konflikte lösen können, das war aber für die zwei Verliebten scheinbar zu kompliziert.
Hinzu kommt, dass ab dem Kapitel "Eine neue Welt” zahlreiche Geschlechterklischees auftauchen, insbesondere über Frauen. Eine Figur wird bspw. gegen ihren Willen schwanger und ist, sobald sie in Sicherheit ist, plötzlich überglücklich über die Schwangerschaft. Die psychischen Folgen des Erlebnis spielen keine Rolle. Ebenso gibt es die typische Ex-Freundin des Love Interests, die die neue Frau an seiner Seite hasst. Ich persönlich kann mittlerweile dieses Klischee einfach nicht mehr lesen.
Auch Jara als Person hat mich zunehmend enttäuscht. Anfangs wirkte sie trotz ihrer Anpassung an das System stark und kämpferisch. Ich war überzeugt, dass sie im Laufe der Handlung zu einer selbstbestimmten Frau heranwachsen würde, die das korrupte System von sich aus stürzen möchte. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass sie immer mehr Persönlichkeit verliert. Natürlich verändert sie ein einschneidendes Erlebnis körperlich und emotional, und dass sie Liebe erfährt, ist grundsätzlich eine schöne Entwicklung. Trotzdem konnte ich nicht nachvollziehen, dass sie am Liebsten bei einer wichtigen Mission ausgesetzt hätte, um bei ihrem Partner zu sein und zeitweise kaum noch einen klaren Gedanken wegen ihm fassen konnte. Das passte für mich überhaupt nicht zu der Figur, die zu Beginn aufgebaut wurde.
Auch der Schreibstil konnte mich leider nicht überzeugen. Häufige Wortwiederholungen und sehr einfache Satzstrukturen ließen den Text auf mich großteils unausgereift wirken. Im Vergleich zu den inhaltlichen Problemen fiel das für mich zwar weniger ins Gewicht, verstärkte aber insgesamt meinen negativen Eindruck.
Insgesamt beginnt Imperia mit einer spannenden Ausgangsidee und einem vielversprechenden Einstieg, verliert für mich aber ab dem genannten Kapitel nahezu all seine Stärken. Statt einer kritischen Dystopie mit einer starken Charakterentwicklung bekommt man eine 0815-Romantasy, deren Liebesgeschichte für mich weder glaubwürdig noch emotional war. Wirklich empfehlen kann ich das Buch daher nur Lesern, die genau solche klischeehaften Geschichten mögen. Mich konnte Imperia, abgesehen von seiner wunderschönen äußerlichen Gestaltung, leider überhaupt nicht überzeugen.