Kampf zwischen Gut und Böse, verpackt in einer feurigen Liebesgeschichte

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marionhh Avatar

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Die junge Jara lebt in Imperia, einer Stadt, die ausschließlich von Frauen bewohnt wird. Als Tochter der Führerin Timere wird sie zur Kriegerin ausgebildet, einer Kampfmaschine, die jegliche Gefühle zu unterdrücken hat. Timere regiert mit eiserner Hand und duldet keinerlei Kritik. Als Jaras beste und einzige Freundin Tohru verhaftet und in den sogenannten Randbezirk verbannt wird, setzt Jara alles daran, sie zu retten. Im Randbezirk stellt sie fest, dass es eine Welt außerhalb Imperias gibt, in der Frauen und Männer gemeinsam leben, und dass sich Widerstand gegen Imperia gebildet hat. Jara lernt eine völlig neue Welt kennen und alles, was sie bisher kannte, wird auf den Kopf gestellt.

Debütroman der Autorin und gelungener Auftakt einer Trilogie um eine junge Kriegerin, die eine neue Welt und die Liebe kennenlernt und für die alles, was sie bisher als wahr erachtet hat, ins Gegenteil verkehrt wird. Auch wenn Jara unterschwellig spürt, dass etwas nicht stimmt, trifft sie die Erkenntnis, dass ihr Leben eine Lüge war, wie ein Schlag ins Gesicht.

Der Fokus der Geschichte liegt auf dem Kampf Gut gegen Böse, die von den gegensätzlichen Städten Imperia und Luces verkörpert werden. Während Imperia kalt und künstlich ist, in getrennte Bezirke aufgeteilt ist und die Bewohnerinnen eine klar zugewiesene Aufgabe haben, ist Luces bunt und natürlich, die Menschen sind gesellig und freundlich und alle bringen sich in die Gemeinschaft ein. Das dystopische Imperia wird von der tyrannischen Timere regiert, die gottgleich herrscht, keine anderen Götter neben sich duldet und die jegliche Emotionen unterdrücken lässt, da sie sie als Schwäche ansieht. In Luces hingegen gibt es einen demokratisch gewählten Rat und die Menschen sind tolerant gegenüber jedweder Lebens- und Liebesform. Da ist es kein Wunder, dass Jara zunächst vollkommen überfordert ist von den vielen, für sie widersprüchlichen Eindrücken, die auf sie einprasseln.

Die Figur der Jara ist der Autorin meines Erachtens außerordentlich gut gelungen und ich habe sofort mit ihr mit gelebt und gelitten, sie ist authentisch und mitreißend und ihre Persönlichkeit ist gut herausgearbeitet. Besonders schön fand ich den Erkenntnis-Prozess, den Jara durchmacht, aus einem emotionslosen Leben kommend öffnet sie sich mehr und mehr für die alternative Lebensweise, sie passt sich an und stürzt sich in den Kampf für die Freiheit. Auch ihre Selbstzweifel, ihre Verzweiflung und ihr Mut kommen sehr gut rüber, sie ist selbst reflektiert und empathisch. Neben ihr blieb manch andere Figur eher blass, die in meinen Augen mehr Potential gehabt und von der ich mir eine tiefergehende Beschreibung gewünscht hätte. Auch ihrem männlichem Gegenstück Aidan konnte ich merkwürdigerweise nicht allzu viel abgewinnen, ich fand ihn anstrengend und in seiner Widersprüchlichkeit nicht wirklich authentisch. Die beiden als Paar haben mich insgesamt nicht restlos überzeugt.

Grundsätzlich ist die Geschichte gut erzählt und fesselnd, und besonders das offene Ende macht Lust auf die Fortsetzung. Sprachlich gesehen ist es eingängig geschrieben, wenn auch nicht unbedingt abwechslungsreich. Manche Wendungen werden recht häufig wiederholt, Tohru etwa grinst oft frech. Stilmäßig passt es zu einem Jugendbuch, Amazon gibt als Altersempfehlung zwischen 16 und 18 Jahren an. Sehr schön fand ich die Bedeutung von Namen. In Imperia wird den Verbannten der Name genommen, die Person wird zur Namenlosen und verliert damit ihre Persönlichkeit und verkümmert. Nahezu jeder Name hat eine Bedeutung, dabei bedient sich die Autorin aus verschiedenen Sprachen. Luces etwa ist die Stadt des Lichts und der Hoffnung, vor Timere zittern alle und die Menschen in Luces haben gemäß ihrer Gabe Namen. So besitzt Aidan seinem Namen gemäß die Gabe des Feuers, was wiederum den sehr passenden Untertitel erklärt.

Dennoch gab es für mich ein paar Längen und Schwächen. Die Autorin entwirft zwei interessante, gegensätzliche Welten, in der Menschen mystische Gaben besitzen und die durch Magie entworfen und geschützt werden. Wie die Magie funktioniert, bleibt jedoch zu oberflächlich, ebenso wie die psychologischen und gesellschaftlichen Aspekte des Lebens in Luces und Imperia. Vielleicht ist dies aber auch den Vorlieben der jugendlichen Zielgruppe geschuldet. Von den Gaben war ich sehr fasziniert und hätte mir gewünscht, mehr darüber zu erfahren. Mir erschloss sich nicht, wieso Jara ihre Gabe nicht annimmt und ausbaut, und auch was es mit ihrer Fähigkeit, Emotionen in Farben wahrzunehmen, auf sich hat, wird nicht näher erläutert.

Vorab und auch hinten im Buch wird vor den spicy Liebes- und den brutalen Gewaltszenen gewarnt, weil sie triggern könnten. Beides hält sich in meinen Augen in vernünftigen Grenzen. Die spicy Szenen sind durchaus feurig und detailverliebt geschrieben, ich fand sie nur übertrieben häufig und teilweise etwas langatmig. In der Wiederholung liegt eben auch eine gewisse Langeweile und es nutzt sich ab. Erst spät kommt nach einer längeren Ruhepause in der Geschichte wieder Spannung auf, nämlich dann, wenn man sich zum Aufbruch nach Imperia rüstet.

Fazit: Grundsätzlich hat mir die Geschichte gut gefallen und besonders Jara hat es mir angetan. Sie ist eine starke Hauptfigur und ein vielschichtiger Charakter. Das clever gemachte offene Ende tut sein Übriges, dass man auf jeden Fall wissen will, wie es weitergeht. Passt sehr gut für die jugendliche Leserschaft, ältere Semester haben aber sicher auch ihre Freude dran. Ich hoffe sehr, dass wir als Leser in den Folgebänden noch tiefer in die Magie der Gaben und die Funktionsweise der beiden gegensätzlichen Städte eintauchen dürfen.