eine wunderschöne Geschichte

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kerstin aus obernbeck Avatar

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In den Scherben das Licht / Carmen Korn

Carmen Korn hat mich mit ihrer Jahrhundert Trilogie begeistert. Nun gibt es ihren neuen Roman „In den Scherben das Licht“

Die Geschichte beginnt im Oktober 1946 in Hamburg.
Die Stadt liegt in Trümmern, die Zeiten sind hart, es gibt von allem zu wenig.
Nach dem großen Bombenangriff auf Eimsbüttel im April 1945 schlägt sich die 14-jährige Gisela Ladelund allein durch. Sie hat in der Nacht ihre Mutter und Schwester verloren, ihr Vater war Fotograf und gilt als verschollen.
Gert Endes ist 16, hat seine Familie ebenfalls verloren und lebt bei der ehemaligen Schauspielerin Friede Wahrlich im Keller.
Da sie den Keller als unbewohnt ansieht klettert Gisela hinein, Gert und Friede entscheiden jedoch, dass sie bleiben darf.

Friede war einst eine gefeierte Schauspielerin, die vom Ruhm vergangenen Zeiten erzählt und zehrt und zu dieser Vergangenheit gehören auch der reiche Karl Palutke und der Journalist Viktor Franke, die zu den glanzvollen Zeiten beide ein Auge auf die große Salondame des Altonaer Stadttheater geworfen hatten. Beide Männer sind nun nicht mehr Bestandteil von Friedes Leben, es war ihr nie möglich herauszufinden, inwiefern Palutke für Frankes Deportation verantwortlich gewesen war.

Gisela, Gert und Friede haben jeweils eine eigene Geschichte, ein eigenes Schicksal und Schatten, die aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart reichen. Was wurde aus Friedes Männern? Wo ist Giselas Vater und lebt noch jemand von Gerts Familie?

Die drei bilden eine besondere Gemeinschaft, die gemeinsam das, was war zu verarbeiten versucht und voller Tatendrang, Einfallsreichtum und Geschick nach vorne schaut.

Die Geschichte endet im Dezember 1955, Carmen Korn erzählt teilweise in Rückblenden aus den Leben der Figuren und die Charaktere sind mir beim Lesen sehr ans Herz gewachsen, denn ihre jeweiligen Geschichten werden nachvollziehbar erzählt; und ich mag sehr, dass das Buch eine extra Portion Hamburg vermittelt.

„All die Zufälle, die entschieden, was blieb und was verloren ging.“ (S.96)

Natürlich sind es auch materielle Verluste, die in einer Zeit, in der es wenig gibt, beklagt werden. „In den Scherben das Licht“ schafft es jedoch auf berührende Weise auch immaterielle Verluste, wie Verbundenheit, Hilfsbereitschaft und Loyalität zu erzählen.

Es ist eine wunderbare Geschichte über Freundschaft in vielen Facetten, dies wird ganz großartig durch die Künstler-Pension, die Friede in ihrem Haus eröffnet, verdeutlicht. Es wird ein Zuhause für verschiedene Menschen, eine Gemeinschaft voller Respekt und ein Ort, an dem ich mich sehr wohlgefühlt habe.

Richtig gut gefallen mir auch die geschichtlichen Einordnungen und Hinweise, wie zum Beispiel „Emil und die Detektive“ oder die Berlinale, sie ergänzen die Geschichte ganz großartig und machen die Zeit, in der das Buch spielt, noch greifbarer.

Ein wunderbares Buch, eine ganz tolle Geschichte.

Ganz große Leseempfehlung!