Wenn aus Notgemeinschaft Liebe wird

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kainundabel Avatar

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1946. Hamburg-Eimsbüttel. Trümmer, Not, Kälte, Entbehrungen allüberall.
Gert Endes, 16, von der Schulbank weggerissen, um als Hitlers letzte Blutreserve zu dienen. Er ist dem Inferno entkommen und haust im Keller der ehemaligen Theaterschauspielerin Friede Wahrlich. Durch ein kaputtes Kellerfenster fällt ihm buchstäblich Gisela Ladelund,14, vor die Füße. Beide Jugendlichen sind völlig entwurzelt, ohne jegliche familiäre Bande. Für sie geht es ums Überleben, das einzige Ziel ihrer Zweckgemeinschaft. Aber beide spüren mehr und mehr, dass der andere ihm guttut. Aus der Notgemeinschaft wird Freundschaft, aus Freundschaft Liebe. Ihre Traumata verbinden und schweißen sie zusammen.
Vor der historischen Kulisse des zerstörten Hamburgs erzählt Carmen Korn in ihrem neuen Roman das Leben zahlreicher Personen vom Herbst 1946 bis zum Winter 1955, fügt mosaikartig ihre Schicksale Stück für Stück zusammen zu einem stimmigen Ganzen. Wir begegnen fiktiven Personen, denen aus unterschiedlichen Gründen das Leid des schwärzesten Kapitels deutscher Geschichte auf den Schultern lastet. Die grausame Realität und die hässliche Fratze des Nazi-Regimes bleiben dabei stets präsent. So werden die fiktiven Protagonisten mit historischen Ereignissen und prominenten Personen kombiniert. Da treffen die Verfolgten und Leidtragenden auf die Ewiggestrigen, die etwa Veit Harlan, den Regisseur des unsäglichen filmischen Machwerks „Jud Süß“ nach dessen richterlicher „Entnazifizierung“ auf ihren Schultern jubelnd aus dem Gerichtssaal tragen. Wie bemerkt Gert so treffend: Kaum Täter im Land.
Man spürt beim Lesen deutlich die Faszination der Autorin, über die Nachkriegsgeschichte zu erzählen, spürt ihre Empathie für die von ihr erschaffenen Personen. Zwischen den Zeilen blitzt bei aller Tragik immer auch feiner Humor auf, der angesichts des Elends und der persönlichen Katastrophen sarkastisch wirkt, aber auch der Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft Platz einräumt.
Wer Carmen Korns bisherige Romane gerne gelesen hat, wird auch von „In den Scherben das Licht“ nicht enttäuscht sein.