Wie der ALLES-im-GRIFF-Hero die Kontrolle über sein Hirn verliert: zusehend(s)

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granny7m Avatar

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Eine feinsinnige wie sachkundige Studie des Wellenbads der Gefühle. Mit punktgenauer Intelligenz beschreibt Cline die Abgründe und Ängste eines Menschen, der sein Leben lang Alles unter Kontrolle hatte und jetzt sehenden Auges seinen Verstand verliert. Mit psychologischer Sachkunde beschreibt sie den Beginn einer Demenz, wo sich die Phasen von mentalen Ausfällen noch mit hellsichtigen Momenten abwechseln …eine illusionslose scharfsichtige Selbstwahrnehmung des Patienten -der Begriff Geistesblitze drängt sich auf. Berührende Gedanken in wenigen Andeutungen- das Ungesagte stets mitbedacht von der Autorin; Empathie und Mitleid zwischen den Zeilen: war doch bisher mit Geld ziemlich alles gelungen im Leben des David und nun zerbröselt Stück für Stück das Selbstbild des Kontrolleurs seines Schicksals. Die herrschaftliche Arroganz gegenüber seinem Personal hält sich am längsten im Verfallsprozess.
Der deutsche Titel so beliebig wie der in der Originalfassung, SWITZY…eine Wortschöpfung mit begrenztem Assoziationswert…Warum die letzte Reise“ in die Schweiz“ geht muss sich bei weiterem Lesen aufklären.
Der Schreibstil: bereits von früheren Cline-Büchern hoch gelobt so auch hier:
ich komme aus dem an-/unterstreichen nicht raus beim Lesen des Textes: So viel existentielle Gedanken zum erodierenden Selbstbild, oft nur angedeutet, im Auslassen angeregt…so viel geniale Formulierungen, die keinen Leser kalt lassen werden -bar jeder Larmoyanz.
Der Text steckt voller wunderbarer ambivalenter Momente z.B. wenn er in seinem begehbaren(!) Kleiderschrank anhand der Kleidungsstücke sein Leben Revue passieren lässt. Ich freue mich auf mehr solcher poetischer Szenarien, gekonnt in treffende Worte gefasst.