Ab wann ist die eigene Identität verloren?

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annatine Avatar

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Ich bin nach dem Lesen noch sehr beeindruckt, mit welcher Feinfühligkeit dieses Buch geschrieben wurde. Es ist ein beklemmender und eindringlicher Roman über Identität, Demenz und den Wunsch, selbstbestimmt zu sterben.
David, ein wohlhabender Ex-Manager leidet an Demenz und reist mit seinem Assistenzen Cody in die Schweiz, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Die Gegenwart durchmischt sich mit vergangenen Erinnerungen. Dieser Prozess des inneren Zerfalls stellt Emma Cline unfassbar gut dar. Man erlebt die Verwirrung, die Momente der Klarheit, die falschen Erinnerungen und Erinnerungslücken aus Davids Perspektive. Man erhält ein Gefühl für diese Erkrankung und sieht, wie es sein könnte, an dieser Erkrankung zu leiden.
Da ich persönlich gerne Bücher mit psychologischen Themen lese, war ich von diesem auch begeistert. Auch wenn ich vorwiegend Sachbücher lese, gefällt mir dieses Buch ebenfalls sehr. Demenz in Verbindung mit Erinnerung und Identität wurde schön verknüpft und beschrieben. Clines Schreibstil wirkt auf mich präzise, beschreibend und fast schon nüchtern.
Auch wenn dieses Buch ein beklemmendes Thema hat, ist es eine Lektüre, die ich gerne gelesen habe und ungern das Buch aus der Hand legen wollte. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen und insbesondere Menschen, die eine Figur kennenlernen, verstehen und begleiten wollen. Identität ist ein spannendes und relevantes Konstrukt und wird hier im Kontext der Demenzerkrankung toll aufgearbeitet. Ab wann ist die eigene Identität verloren? Wann ist man nicht mehr man selbst?