Abschiedssinfonie

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David Hastings hat Demenz und ist auf dem Weg in die Schweiz zur aktiven Sterbehilfe, mit Zwischenstop in London, um seine Tochter Rebecca noch einmal zu sehen. Sein persönlicher Assistent Cody begleitet ihn bis zum Schluss.

Was für ein grandioses Buch! Das Innenleben, die Gedanken, das Verlorensein, die Wut, die Verwirrung, die Kindheit, die Vergangenheit, die Leere, die Hinlauftendenz, der Egoismus des Demenzkranken wird mit genialer Meisterschaft geschildert. Der Leser ist gleichzeitig in Davids Kopf und Herz, aber erlebt die Reise auch von „außen“, das was wirklich – oder scheinbar – geschieht. David, der sein Leben der Karriere gewidmet hat, der dadurch zum Glück sehr wohlhabend geworden ist, sonst könnte er sich die professionelle und allumfassende Betreuung und den Privatjet in die Schweiz nicht leisten. David, der keine persönlichen Beziehungen und Bande geknüpft hat – geschieden von der Ehefrau, der Tochter entfremdet, überworfen mit dem Jugendfreund Tom.

Das Buch ist ordentlich in Kapitel gegliedert, die Handlung schreitet chronologisch voran, allerdings machen sich immer mehr Davids Gedankenfragmente, Erinnerungsschnipsel, Verwirrungen, das Eindringen der Gegenwart, eine große Leere und Erschöpfung breit. Was ist real, was erinnert, was ausgedacht? Der Erzähler ist mehr als unzuverlässig. Und immer wieder Platz für meine eigenen Gedanken, Ängste, Bewertungen des gerade Gelesenen. Ich musste das Buch immer mal wieder weglegen und durchatmen.

Auch die Nebenfiguren sind treffend charakterisiert, vielleicht kann David bedingt durch seine Krankheit verborgene Stimmungen und Schwingungen besser wahrnehmen, jedenfalls manchmal; dann wieder sind ihm die Gefühle der Mitmenschen völlig egal und es geht nur um ihn und seine Bedürfnisse.

Das Cover hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Der sich auflösende Mann vor dem blauen Hintergrund.

Ich würde das Buch tatsächlich jedem empfehlen, denn wir werden in unserem Leben bestimmt einmal mit der schlimmen Krankheit Demenz konfrontiert sein.