Im Kopf eines Demenzkranken

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mirko Avatar

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Emma Clines Roman „ In die Schweiz“ (OT: „Switzy“ - aus meiner Sicht viel gelungener) ist ein Buch, das dem Leser einiges abfordert. Es lässt sich recht zügig lesen, doch würde ich das nicht empfehlen. Denn in dem Fall würde einem das ein oder andere dabei verloren gehen.
Die Autorin erzählt von David, einem älteren Mann, der an Demenz leidet und seinem Leben ein Ende setzen will. Er befindet sich (in Begleitung seines jungen Angestellten Cody) auf einem Flug aus den USA nach London, wo seine Tochter lebt. Diese will er ein letztes Mal treffen, um sich von ihr zu verabschieden; allerdings auf eine stille Weise, denn er beabsichtigt nicht, ihr davon zu erzählen, dass er auf dem Weg in die Schweiz ist, um seinem Leben dort ein Ende zu setzen.
Cline schreibt in solider Sprache. Was ihr brillant gelingt, ist die Tatsache, dass sie den Leser tief in die Gedankenwelt von David eintauchen lässt. Dabei erlebt man die Gedankensprünge und -aussetzer des Hauptcharakters so, als würde man das alles selbst durchleben. Den vielen Lücken, die er aufgrund seiner Krankheit umsteuern muss, ist auch der Leser ausgesetzt. Man muss sich durch viele kleine Gedankenschnipsel wühlen, um David folgen zu können. Das gelingt mit ein bisschen Anstrengung aber erstaunlich gut. Es bleibt nicht aus, dass im Laufe der fast 400 Seiten von Zeit zu Zeit eine gewisse Müdigkeit einsetzt. Immer wieder fängt Emma Cline den Leser aber ein, weil sie so viele wunderbare Ideen verbaut, die direkt ins Herz zielen. Das Besondere dabei ist, dass diese nicht offensichtlich, sondern ganz fein in den Text verwoben sind. Diese aufzuspüren war ein Genuss.
Ich habe das Ende von David Reise als äußerst realistisch empfunden. Man fühlt sich, als hätte man ihn in den letzten Tagen begleitet und wäre ihm nun sehr nah. Eine gewisse Beklemmung setzt ein, und man muss sich, ob man will oder nicht, mit dem Thema Sterbehilfe auseinandersetzen. Da dies das zentrale Thema des Buchs ist, ist es als weitere besondere Leistung der Autorin anzusehen.
„In die Schweiz“ ist kein vollkommenes Buch. Aber es ist eine innovative Idee, welche die Autorin hervorragend umgesetzt hat. Wenn man als Leser oder Leserin bereit ist, sich dem Thema und der sprachlichen Besonderheiten zu stellen, wird man ohne Frage belohnt.