Irgendwie sehr fad

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herbstwindtraum Avatar

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Der Einstieg in „In die Schweiz“ fällt schwer. Die Handlung entwickelt sich nicht linear, sondern springt ständig zwischen verschiedenen Zeiten, Erinnerungen und Erzählfragmenten hin und her. Zunächst bleibt zudem weitgehend unklar, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Nur der Klappentext verrät, dass David, ein Mann Mitte siebzig und offenbar ausgesprochen vermögend, sich auf seinen eigenen Tod vorbereitet.

Diese Ausgangssituation hätte durchaus das Potenzial für eine spannende, vielleicht sogar verstörende Geschichte. Doch die Informationen werden nur sehr langsam und mühsam freigelegt. Erst auf Seite 56 erfahren wir von Davids Erkrankung: Er leidet an einer fortschreitenden Erkrankung des Gehirns, hat zunehmend Aussetzer und kann sich teilweise nicht mehr daran erinnern, wie er an bestimmte Orte gelangt ist. Dass sich Davids zunehmende Verwirrung auch in der Struktur des Romans widerspiegelt, ist dabei durchaus nachvollziehbar. Immer wieder tauchen unvermittelt Erinnerungen aus seiner Schulzeit, seiner Ehe oder anderen Lebensabschnitten auf. Teilweise wirkt das wie ein Stream of Consciousness.

David scheint eine hohe Führungsposition innegehabt zu haben. An seiner Seite steht Cody, der schon lange als eine Art persönlicher Assistent für ihn arbeitet und durch Davids Krankheit zunehmend mehr Verantwortung und schließlich auch Vollmachten erhält. Daneben gibt es Sylvia, die ebenfalls verschiedene Aufgaben für David übernimmt. Auch diese Figuren und ihre Beziehungen zueinander werden erst nach und nach verständlich.

Eine zentrale Rolle spielt Davids Jugendfreund Tom. Zwischen den beiden scheint etwas vorgefallen zu sein, doch bis zuletzt bleibt offen, was genau passiert ist. Offenbar besteht schon seit langer Zeit kein Kontakt mehr. Ausgerechnet bevor David stirbt, möchte er Tom noch einmal treffen. Diese geheimnisvolle Beziehung ist einer der roten Fäden des Romans – allerdings einer, der mich über weite Strecken eher ratlos als neugierig gemacht hat.

Auch Davids Tochter weiß nicht, was tatsächlich mit ihrem Vater los ist. Sie hat lediglich mitbekommen, dass er kürzertreten möchte. David fürchtet, dass sie ihn von seinem Vorhaben abhalten würde, wenn sie wüsste, was er in der Schweiz plant. Erst sehr spät, auf Seite 216, fliegt er schließlich in die Schweiz. Am Ende begleiten wir ihn bei seinem Sterben.

Dazwischen stehen zahlreiche Rückblicke, unter anderem auf Davids offenbar schwierige Ehe. Manche dieser Episoden bleiben merkwürdig fragmentarisch – etwa eine Szene, in der David eine Frau mit auf sein Hotelzimmer nimmt, die anschließend nackt in der Badewanne liegt, während er selbst offenbar nicht in der Lage ist, etwas mit der Situation anzufangen. Solche Erinnerungsstücke ergeben mit der Zeit ein immer vollständigeres Bild von David, ohne dass sich daraus für mich allerdings ein wirklich überzeugendes Gesamtbild ergeben hätte.

Je weiter die Handlung fortschreitet, desto verwirrter wirkt David und desto fragmentierter wird auch die Erzählung. Formal lässt sich das als konsequente Spiegelung seines geistigen Zustands lesen. Nur: Für mich hat diese Entscheidung das Lesen vor allem anstrengend gemacht. Die Handlung plätschert lange vor sich hin, und immer wieder hatte ich das Gefühl, auf eine Erkenntnis oder eine entscheidende Wendung zu warten, die dann nicht wirklich kam.

Besonders schade ist das, weil die Grundidee einiges hergegeben hätte: ein wohlhabender, alternder Mann, der angesichts einer fortschreitenden Erkrankung über seinen selbstbestimmten Tod nachdenkt; eine Tochter, die nichts von seinem Plan weiß; ein langjähriger Assistent, der immer mehr Macht über sein Leben erhält; und schließlich dieser rätselhafte Jugendfreund Tom, mit dem eine offenbar tiefgreifende gemeinsame Vergangenheit verbunden ist. Daraus hätte sich ein sehr intensiver Roman über Erinnerung, Kontrollverlust, Schuld, Freundschaft und die Frage nach einem selbstbestimmten Tod entwickeln können.

Für mich blieb davon jedoch zu wenig übrig. Vieles wird angedeutet, manches bleibt im Fragment, und die lange Vorbereitung auf die Reise in die Schweiz erzeugt Erwartungen, die der Roman letztlich nicht einlösen konnte. Statt Spannung entstand bei mir zunehmend Langeweile. Die formale Zerrissenheit passt zwar zu Davids Zustand, macht den Roman aber nicht automatisch interessant.

„In die Schweiz“ ist damit für mich ein Buch, aus dessen Grundkonstellation man deutlich mehr hätte machen können. Die Idee ist interessant, die Umsetzung blieb für mich jedoch zu langatmig, zu fragmentarisch und letztlich zu nichtssagend.