Leben und sterben
Dieser Roman ist ein Schwergewicht und seine Botschaft wird mich sicher ein Leben lang begleiten. Wer setzt sich schon gern mit der Endlichkeit des Lebens in seinen verschiedensten Facetten auseinander, wenn man nicht muss.Ehrlich gesagt, habe ich mich vorher gar nicht so detailliert mit dem Thema des Buches beschäftigt. Ich bin ein großer Emma Cline Fan und musste deshalb unbedingt ihr neuestes Werk lesen. Mit so viel Dunkelheit habe ich nicht gerechnet und dennoch konnte ich es nicht aus der Hand legen. Da ist David, unsere Hauptfigur, auf dem Weg in die Schweiz, um seinem stillen Leiden ein Ende zu setzen. Eine sehr erfolgreiche Karriere liegt hinter ihm und unaufhaltsam zerbröselt die Vergangenheit, Erinnerung in seinem Kopf. Momente, Personen sind nicht mehr greifbar. Und wie immer im Leben, gibt es Bereiche, in denen noch Dinge zu klären sind. Der Blick zurück auf das eigene Leben, auf die Momente, die einen zu dem Menschen geformt haben, der man ist. Doch die Zeit läuft, die Erinnerungslücken werden mit jedem Tag größer. Emma Cline beschreibt sehr eindrucksvoll, wie es sich anfühlen muss, wenn einem das eigene Leben langsam und unwiderruflich aus den Händen gleitet, man nur noch mit fremder Hilfe zurechtkommt. Jeder mag über assistieren Suizid denken wie er will. Ich bin sehr froh, dass diese Möglichkeit besteht. Ich bin unendlich dankbar für dieses wichtige Buch und hoffe, dass ganz viele Menschen den Roman trotz seiner schweren Thematik lesen. Letztendlich ist es auch eine Erinnerung daran, wie kostbar unser Leben ist und wie kurz.