Roman über Selbstbestimmung Erinnerung und das was bleibt

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bobo3496 Avatar

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Emma Clines neuer Roman „In die Schweiz“ erzählt die Geschichte von David Hastings der sich auf seine letzte Reise begibt. Mit einem Privatjet und begleitet von seinem jungen Assistenten Cody fliegt er in die Schweiz um dort durch assistierten Suizid der fortschreitenden Demenz zuvorkommen zu können. Doch die Krankheit schreitet unerbittlich voran und David weiß dass er nur noch wenig Zeit hat um seinen Plan umzusetzen. Bevor es soweit ist macht er noch einen Abstecher zu seiner Tochter in London und besucht einen alten Jugendfreund in Frankreich den er einst geliebt und dann im Stich gelassen hat. Dieses kurze Wiedersehen wirkt wie ein Schatten aus seiner Vergangenheit und zeigt wie sehr ihn das Verdrängte jetzt einholt.

Cline gelingt es auf beeindruckende Weise Davids inneres Erleben darzustellen. Der Roman ist aus seiner Perspektive geschrieben und der Leser erlebt seine zunehmend wirren und sprunghaften Gedanken mit. Sein Bewusstseinsstrom ist geprägt von Aussetzern und assoziativen Sprüngen die seine Demenz widerspiegeln. Gleichzeitig macht die Autorin durch ihre klare und organische Sprache das beklemmende Geschehen erträglich. Immer wieder blitzt ein Sinn für Komik und Ironie auf der die Schwere der Situation kurz aufhellt.

David ist ein typischer Mann seiner Generation erfolgsorientiert gefühlsarm und ein nüchterner Zahlenmensch. Seine Homosexualität hat er nie gelebt seine Familie vernachlässigt und seine Beziehungen oberflächlich gehalten. Jetzt wo sein Verstand ihn verlässt kommen die verdrängten Erinnerungen hoch. Die Begegnung mit seinem alten Freund ist eine der berührendsten Szenen des Romans. Hier sucht er Vergebung vielleicht sogar Erlösung.

Besonders eindrucksvoll ist wie Cline Inhalt und Schreibstil verbindet. Die Komprimierung von Davids Verfall auf nur drei Tage macht die Darstellung besonders kraftvoll. Sie gibt der Krankheit eine Stimme ohne dabei in Pathos oder Sentimentalität zu verfallen. David bleibt bis zuletzt ein Mann der Selbstmitleid fremd ist. Das Verhältnis zu Cody bleibt ambivalent ist er ihm dankbar oder hat David sich seine Dienste einfach gekauft. Davids Paranoia führt immer wieder zu aggressivem Verhalten doch Cody bleibt geduldig.

„In die Schweiz“ ist kein leichtes Buch weder thematisch noch sprachlich. Doch gerade diese Konsequenz macht es so beeindruckend. Es ist eine dringende Mahnung vor dem Tod wirklich zu leben. Clines bisher bester Roman großartig und unvergesslich.