Unsichtbare Sphären
David steigt in ein Flugzeug, in die Schweiz - nein - nach London. Richtig. London. Dann in die Schweiz um zu sterben.
Seine Demenz wird immer schlimmer und nur lichtblitzartig erkennen wir ihn und seine Geschichte. Wir erfahren das, was ihm wichtig ist und was ihm wichtig war, was er sagen möchte und nicht kann und was er sagt und nicht meint. Dabei begleiten wir den ehemaligen CFO einer amerikanischen Firma auf seinen letzten Tagen vor seinem klinisch induzierten Tod.
"In die Schweiz" wird viele Leser*innen unzufrieden hinterlassen, deshalb will ich es ganz bewusst nicht pauschal empfehlen will, aber trotz meiner anfänglichen Verwirrung, die ich ganz brüderlich mit David teilte, ließ es mich einfach nicht los. Emma Clines Sprache ist so wahnsinnig feinfühlig und so schmerzhaft akkurat und "In die Schweiz" ist ein tolles Beispiel dafür. Sie legt die "unsichtbaren Sphären" frei in denen sich David bewegt, wenn er sich an seine Kindheit erinnert oder die einst wichtigen Zahlen vergisst.
"Ich begehre meine Begierden nicht mehr" lässt sie David sagen und schreibt eine Elegie für ihn, für die Zeit und die, um welche sich unsichtbare Sphären ohne künstliche Begierden und kaschierter Menschlichkeit formen.
Und da ist noch die Elite mit ihren teuren Uhren und Privatjets, die der Melancholie und Nostalgie trotz allem nicht auskommen.
Eine verdiente Booker-Prize-Nominierung und auch super Übersetzungsarbeit von Nikolaus Stingl.
(Noch eine zynische Anmerkung zum Cover:
Nicht nur ästhetisch langweilt einen das deutsche Cover, sondern auch David (Nemo) - Schlafmütze und Kerzenhalter an der ausgestreckten Hand, alles kurz anleuchtend bevor es wieder verschwindet - taumelt und fällt nicht. Ein perfektes Bild zunichte gemacht. Stattdessen die billige Metapher eines sich auflösenden Mannes in Aquarell. Wenig originell.)
Seine Demenz wird immer schlimmer und nur lichtblitzartig erkennen wir ihn und seine Geschichte. Wir erfahren das, was ihm wichtig ist und was ihm wichtig war, was er sagen möchte und nicht kann und was er sagt und nicht meint. Dabei begleiten wir den ehemaligen CFO einer amerikanischen Firma auf seinen letzten Tagen vor seinem klinisch induzierten Tod.
"In die Schweiz" wird viele Leser*innen unzufrieden hinterlassen, deshalb will ich es ganz bewusst nicht pauschal empfehlen will, aber trotz meiner anfänglichen Verwirrung, die ich ganz brüderlich mit David teilte, ließ es mich einfach nicht los. Emma Clines Sprache ist so wahnsinnig feinfühlig und so schmerzhaft akkurat und "In die Schweiz" ist ein tolles Beispiel dafür. Sie legt die "unsichtbaren Sphären" frei in denen sich David bewegt, wenn er sich an seine Kindheit erinnert oder die einst wichtigen Zahlen vergisst.
"Ich begehre meine Begierden nicht mehr" lässt sie David sagen und schreibt eine Elegie für ihn, für die Zeit und die, um welche sich unsichtbare Sphären ohne künstliche Begierden und kaschierter Menschlichkeit formen.
Und da ist noch die Elite mit ihren teuren Uhren und Privatjets, die der Melancholie und Nostalgie trotz allem nicht auskommen.
Eine verdiente Booker-Prize-Nominierung und auch super Übersetzungsarbeit von Nikolaus Stingl.
(Noch eine zynische Anmerkung zum Cover:
Nicht nur ästhetisch langweilt einen das deutsche Cover, sondern auch David (Nemo) - Schlafmütze und Kerzenhalter an der ausgestreckten Hand, alles kurz anleuchtend bevor es wieder verschwindet - taumelt und fällt nicht. Ein perfektes Bild zunichte gemacht. Stattdessen die billige Metapher eines sich auflösenden Mannes in Aquarell. Wenig originell.)