Why choose. Like a vampire.

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
amelien Avatar

Von

„Ich dachte, wenn ich sie wiedersehe, würde das mit einem Knall geschehen. Mit Wut – weil wir sie nicht rechtzeitig retten konnten. Mit Tränen. Mit Wiedersehensfreude und Leidenschaft. Und wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, hatte ich die Hoffnung schon lange verloren, dass ich sie jemals wiedersehen würde. Aber nun ist genau das geschehen. Leise – und ohne jede Finesse. Kein Drama. Keine Tränen, keine Freude. Nur Unverständnis, und zwar auf beiden Seiten, und das ist das viel größere Problem.“ (Seite 113)

Ein Buch über alte Legenden, verflochten mit dunkler und schwerer Romantik.
Als Xara erfährt, dass sie adoptiert wurde, beginnen die Alpträume, welche sich weniger nach Fantasie als nach Erinnerungen anfühlen. Die Suche nach Antworten und ihrer wahren Herkunft führt sie in ein schauriges, abgelegenes Dorf in Rumänien. Ein nebulöser Ort voller Legenden und gruseliger Gestalten. Dort trifft sie auf die beiden Vampire Dorian und Juraj, die in ihr eine längst verloren geglaubte Liebe sehen (jaaa, Vampire Diaries lässt grüßen – man merkt, wo die Inspo herkommt). Beide sind überzeugt, dass Xara die Reinkarnation ihrer großen Liebe ist. Und beide sind nicht bereit, sie wieder zu verlieren.
Seufz … ich liebe Vampirgeschichten. Auch dieses Buch hat viel Pathos, doch genau hier wird es spannend. Wir haben den Trope Why Choose. Es ist ein dunkles, stilles und eher langsames Buch. Was ich wirklich mochte, sind die Dialoge. Die haben dermaßen Spaß gemacht und ließen einen regelrecht durch das Buch fliegen. Es ist richtig herrlich trashig, aber auf die gute Art. Ich wollte unterhalten werden und das wurde ich.
Der Schauplatz trägt für mich ganz viel der Geschichte. Es wird eine wahnsinnig dunkle, düstere und geheimnisvolle Stimmung erzeugt. Die ganze Zeit schwingt etwas unterschwellig Bedrohliches mit. Das hat mein Kopfkino ordentlich entzündet. Ich hatte direkt die Vibes von alten Gruselgeschichten, gerade auch durch Xaras Nachforschungen. Die Geschichte erzeugt eine wunderbare Sogwirkung, und man kann den Nebel beinahe schmecken, spürt die Kälte der alten Mauern.
Der Schreibstil war wirklich erfrischend, bildhaft und sehr flüssig zu lesen. Ich habe den Perspektivwechsel sehr genossen. Als Leser bekommen wir Xaras, Dorians und Jurajs Sicht. Jaaa, und auch hier gibt es wieder morally grey. Ich habe die Verletzlichkeit der beiden Vampire gespürt, den Schmerz der Jahrhunderte und das Gewicht alter Wunden. Hier ist Liebe nichts Leichtes, sondern etwas Altes und Schweres. Ein Schicksal.
Die Dynamik der beiden trägt das Buch und macht die Story so gut, gerade durch ihre Beschaffenheit und ihre Dialoge. Xara hingegen war manchmal ein wenig formlos, nicht ganz greifbar, fast mehr eine Beobachterin ihrer eigenen Geschichte. Mir fehlte hier ein wenig ihre eigene innere Stimme, ein klareres Gefühl dafür, wer sie ist, wenn niemand an ihr zieht. Ihre Vergangenheit wird nur angedeutet, vieles wird auf später verschoben oder von anderen Figuren überlagert und bleibt dadurch ein wenig unvollständig. Gerade weil die Geschichte so stark von Schicksal und Erinnerung lebt, hätte ich mir hier mehr Verankerung in Xara selbst gewünscht.
Ich mochte auch die Nebencharaktere sehr gerne, Chris und Adrian. Die waren wirklich cute und sehr lieb zu Xara.
Der Plot Twist war nicht wirklich überraschend, und der Cliffhanger kam ein wenig abrupt, fast so, als hätte man bei der Geschichte einfach etwas weggelassen.
„In the Shadows We Wait“ ist ein atmosphärischer, mystischer Auftakt. Ein Slow Burn, der mehr durch seine Intensität und seine skurrilen Figuren besticht als durch laute Action. Nicht perfekt, aber ein Buch, das Spaß macht, gerade durch die Dialoge und die Dynamik der Charaktere.

⭐️⭐️⭐️⭐️