Anarchie und Rache

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buchlieberin Avatar

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Nesbo erfindet sich häufiger mal selbst. Er ist zwar für seine Krimis bekannt geworden, aber er versucht sich immer mal wieder auch an anderen Genres.
Dieser Roman gehört zu den Dystopien. Er spielt in einer ganz nahen Zukunft. Es hätte auch schon unsere Vergangenheit sein können. Denn ein bösartiger Virus dezimiert die Weltbevölkerung. Ein Virus, der viel letaler ist als Covid. Es geht nicht mehr um eine Auflehnung gegen Maskenzwang, sondern es herrscht reine Anarchie. Banden ziehen durch die Stadte und plündern und morden. Nur den sehr Reichen geht es gut. So beginnt das Buch auf dem Dach eines sehr Hochhauses, wir warten mit den Protagonisten auf einen Hubschrauber. Dieser soll die letzten Passagiere für ein riesiges Schiff abholen. Gegen enorm viel Geld konnte man sich dort eine Kabine kaufen. Das Schiff hat genügend Ressourcen an Bord um 3000 Reiche für 3 Jahre unabhängig von der Aussenwelt am Leben zu halten. Der Anwalt Will steht dort mit seinem Freund Colin und wartet auf den Hubschrauber. In Rückblenden erzählt Will, was zu dieser Situation geführt hat. Und das ist knallhart. Nichts für zartbesaitete LeserInnen.
Die andere Ich-Erzählerin, gut durch ein kursives Schriftbild abgegrenzt, heißt Yvonne, gehört zur sogenannten Chaos Band und fährt mit ihrem Motorrad durch die Stadt. Auch sie erzählt in Rückblenden was in letzter Zeit passiert ist. Langsam treffen die beiden Erzählstränge aufeinander.
Das Buch hat nur ca. 200 Seiten, alles Überflüssige hat Nesbo weggelassen, Trotzdem schafft er es die Atmosphäre und die Personensehr bildlich zu charakterisieren. Beim Lesen läuft ein Film vor meinem inneren Auge. Und durch die zwei Perspektiven und die verschiedenen Zeitebenen bleibt das Buch bis zur letzten Seite spannend.
Das Buch hat mich sehr erschüttert. Gut, dass wir mit einem nicht so tödlichen Virus „üben“ konnten.
Ansonsten möchte ich ausnahmsweise den Klappentext zitieren: „Erschütternd nah. Beunruhigend wahr.“