Die falsche Verpackung

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In den Wirren einer Welt nach einer Pandemie, in der es den Menschen vor allem ums Überleben geht, verschwindet eine Frau. Ihr Vater sinnt nach Rache und versucht gleichzeitig, dem Gesetz zu folgen, um den Entführer zu überführen.
Mit 208 Seiten beziehungsweise 4,5 Hörstunden fällt „Insel der Ratten“ vergleichsweise kurz aus. Ursprünglich erschien die Geschichte in einem Erzählband. Vielleicht erklärt das nicht nur den knappen Umfang, sondern auch, warum sich der typische Nesbø-Sog für mich nicht ganz entfaltet.
Dennoch bleibt der Autor sich treu, schafft authentisch wirkende Szenarien und lässt in Konfliktsituationen die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Obwohl der Schwerpunkt auf ethischen Fragen und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen liegt, scheut er sich nicht, Handlungen in aller Brutalität zu schildern: „Ich wollte, dass das Einschussloch ein gleichwinkliges Dreieck mit den Augen bildete.“ Der Wechsel der Sprecher passt dabei gut zu den unterschiedlichen Blickwinkeln.
In meinen Augen liegen die Defizite des Buchs in seiner Vermarktung als Roman. Als Teil einer Sammlung weiterer Erzählungen hätte es andere Erwartungen geweckt und ein stimmigeres Gesamtbild ergeben.