Dystopie im Stil einer Kurzgeschichte
Erst kam die Pandemie. Dann die Menschen.
Nachdem im Zuge einer verheerenden Pandemie das staatliche System kollabiert ist, beherrschen wütende Banden die Stadt. Wer kann, verschanzt sich in seinem Zuhause. Wer das nötige Kleingeld hat, verlässt die Stadt. So auch Colin Lowe, ein wohlhabender Technik-Mogul, der sich gemeinsam mit seiner Familie auf die Insel der Ratten rettet. Doch während er sich in Sicherheit wägt, macht sein Sohn Brad auf dem Land vor nichts Halt - bis er auf Colins Freund Will und dessen Familie trifft...
"Insel der Ratten" ist eine Kurzgeschichte, welche in einem Sammelband des Autors erschienen ist. Dieses Buch liest sich letztendlich auch genau so. Die Geschichte um Colin, Brad und Will startet mitten im Geschehen, vermischt immer wieder Rückblenden mit der Gegenwart und schreitet rasant aus verschiedenen Perspektiven voran. Der klare, eher nüchterne Schreibstil schildert die Ereignisse nach der Pandemie erschreckend realistisch und beklemmend, wirkt teilweise wie eine Dokumentation der Geschehnisse. Er drückt Emotionen häufig nicht explizit aus, sorgt durch die Nüchternheit und Distanz in der Darstellung zahlreicher Brutalitäten aber durch eine indirekte Kanalisation dieser Gefühle. Im Allgemeinen zeichnet sich dieses Buch an zahlreichen Stellen dadurch aus, dass Einiges ungesagt bleibt, unausgesprochen in der Luft schwebt und gleichzeitig doch klar und deutlich ist, was hier ausgedrückt werden sollte.
Ebenso klar wie der Schreibstil des Autors ist wohl auch der Fokus dieses Buches gesetzt. Dieser liegt primär auf der rasant voranschreitenden Handlung und actionreichen, erschütternden Einlagen, die den Leser packen und nicht mehr so schnell wieder loslassen. Plottwists sind dabe inklusive. Charaktere sind dabei eher als eine Art Requisite anzusehen, als Mittel zum Zweck. Gerade bei der Gewaltthematik - insbesondere am weiblichen Geschlecht - kann und darf das durchaus kritisch beleuchtet werden. Ich persönlich ordne dies in Anbetracht der Generalisierung dieser Herangehensweise unter dem Stil des Buches ein, möchte aber anmerken, dass dies mit Sicherheit nichts für jeden Leser ist.
Wer eine Dystopie mit grandiosem Worldbuilding oder hervorragender, tiefgründiger Charakterentwicklung sucht, wird mit der "Insel der Ratten" vermutlich nicht glücklich werden. Wer jedoch nach einem realistischen Denkanstoß in der gebotenen Kürze und einer rasanten, packenden Storyline mit Thrillerelementen sucht, der sollte sich dieses Buch unbedingt näher ansehen.
5/5 Sterne
Nachdem im Zuge einer verheerenden Pandemie das staatliche System kollabiert ist, beherrschen wütende Banden die Stadt. Wer kann, verschanzt sich in seinem Zuhause. Wer das nötige Kleingeld hat, verlässt die Stadt. So auch Colin Lowe, ein wohlhabender Technik-Mogul, der sich gemeinsam mit seiner Familie auf die Insel der Ratten rettet. Doch während er sich in Sicherheit wägt, macht sein Sohn Brad auf dem Land vor nichts Halt - bis er auf Colins Freund Will und dessen Familie trifft...
"Insel der Ratten" ist eine Kurzgeschichte, welche in einem Sammelband des Autors erschienen ist. Dieses Buch liest sich letztendlich auch genau so. Die Geschichte um Colin, Brad und Will startet mitten im Geschehen, vermischt immer wieder Rückblenden mit der Gegenwart und schreitet rasant aus verschiedenen Perspektiven voran. Der klare, eher nüchterne Schreibstil schildert die Ereignisse nach der Pandemie erschreckend realistisch und beklemmend, wirkt teilweise wie eine Dokumentation der Geschehnisse. Er drückt Emotionen häufig nicht explizit aus, sorgt durch die Nüchternheit und Distanz in der Darstellung zahlreicher Brutalitäten aber durch eine indirekte Kanalisation dieser Gefühle. Im Allgemeinen zeichnet sich dieses Buch an zahlreichen Stellen dadurch aus, dass Einiges ungesagt bleibt, unausgesprochen in der Luft schwebt und gleichzeitig doch klar und deutlich ist, was hier ausgedrückt werden sollte.
Ebenso klar wie der Schreibstil des Autors ist wohl auch der Fokus dieses Buches gesetzt. Dieser liegt primär auf der rasant voranschreitenden Handlung und actionreichen, erschütternden Einlagen, die den Leser packen und nicht mehr so schnell wieder loslassen. Plottwists sind dabe inklusive. Charaktere sind dabei eher als eine Art Requisite anzusehen, als Mittel zum Zweck. Gerade bei der Gewaltthematik - insbesondere am weiblichen Geschlecht - kann und darf das durchaus kritisch beleuchtet werden. Ich persönlich ordne dies in Anbetracht der Generalisierung dieser Herangehensweise unter dem Stil des Buches ein, möchte aber anmerken, dass dies mit Sicherheit nichts für jeden Leser ist.
Wer eine Dystopie mit grandiosem Worldbuilding oder hervorragender, tiefgründiger Charakterentwicklung sucht, wird mit der "Insel der Ratten" vermutlich nicht glücklich werden. Wer jedoch nach einem realistischen Denkanstoß in der gebotenen Kürze und einer rasanten, packenden Storyline mit Thrillerelementen sucht, der sollte sich dieses Buch unbedingt näher ansehen.
5/5 Sterne