Gut für Actionfans, ein wenig enttäuschend für anspruchsvolle Leser
In einer von einer Pandemie zerrütteten Großstadt ist die Zivilisation kollabiert. Während brutale Clans die Straßen beherrschen, versucht der Anwalt Will inmitten von Chaos und Gewalt verzweifelt, an Moral und Gesetz festzuhalten. Sein ehemaliger Freund, der schwerreiche Unternehmer Colin, hat sich dagegen mit seiner Familie auf eine private Inselfestung geflüchtet, die aufgrund einer anwachsenden Rattenplage bald nicht mehr bewohnbar ist.
Als die beiden Männer ein gefährliches Tauschgeschäft eingehen, beginnt ein nervenaufreibendes psychologisches Duell um Macht, Familie und das nackte Überleben.
Die ersten Seiten dieses Romans haben mich sofort gepackt. Der Einstieg ist erzählerisch stark und wirft kluge und zum Teil auch philosophische Fragen über den Zusammenbruch unseres Rechtssystems und unserer Zivilisation in einer Pandemie auf.
Doch leider konnte das Buch dieses Niveau für mich stellenweise nicht halten.
Ein großes Problem war für mich die Struktur. Die Geschichte wird von zwei Hauptpersonen - dem Anwalt Will und dem Chaos-Gang-Mitglied Yvonne - erzählt. Doch hierbei erfordert der plötzliche Wechsel zu einer zweiten Ich-Perspektive (Yvonne) vom Leser zu viel verwirrende Mitarbeit. Denn die beiden Stimmen heben sich anfangs nur durch den Kursivdruck, aber sprachlich kaum voneinander ab.
Auch viele Nebenfiguren sind leider nur blasse Namen ohne echte psychologische Tiefe. Einzig die Hauptfigur Will überzeugt als normaler Mensch mit glaubhaften Stärken und Schwächen.
Positiv hervorheben muss man, dass Nesbø auf billige Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Die Reichen sind hier nicht automatisch die Bösen und die Armen die Guten. Geld wird im Chaos schlicht zum nackten Überlebenswerkzeug – wer Kohle hat, kann sich mit einem Hubschrauber auf einen Flugzeugträger ausfliegen lassen.
Nachdem Wills Familie von der Gang Chaos überfallen wird, bekommt die Geschichte einen klaren roten Faden und baut eine solide, wenn auch nicht überragende Spannung auf.
Aber schon relativ am Anfang driftet der Roman für meinen Geschmack allerdings zu sehr in eine reine Waffen- und Action-Metzelei mit teilweisen unglaubwürdigen Kampfesszenen ab. Mir fehlten hier die tiefen, ruhigen Reflexionen über das Geschehen.
Interessant finde ich zahlreiche biblische Anspielungen im Roman: So gestaltet sich zum Beispiel der für die Flüchtigen bereitgestellte Flugzeugträger als modern inszeniere Arche Noah, doch hier entscheidet nicht ein göttliches Urteil, sondern Reichtum, wer aufs Schiff kommt.
Desweiteren fungiert ein Schlachthaus als Kulisse, in der die Chaos-Gang an einem Tisch speisend mit dem biblischen Abendmahl verglichen wird. Dass Jesus fehlt, zeigt die absolute Gottesverlassenheit dieser neuen Welt, in der es keinen Retter mehr gibt.
Fazit:
Waffen- und Action-Freaks, die präzise Details und hohes Tempo lieben, kommen hier voll auf ihre Kosten (für sie ist das Buch sicher 4 bis 5 Sterne wert). Wer jedoch tiefere Charakterstudien sucht und wem Action keinen Leseanreiz bietet, wird enttäuscht sein. Für mich ein ambitioniertes, aber unvollkommenes Buch. Solide 3 von 5 Sternen.
Als die beiden Männer ein gefährliches Tauschgeschäft eingehen, beginnt ein nervenaufreibendes psychologisches Duell um Macht, Familie und das nackte Überleben.
Die ersten Seiten dieses Romans haben mich sofort gepackt. Der Einstieg ist erzählerisch stark und wirft kluge und zum Teil auch philosophische Fragen über den Zusammenbruch unseres Rechtssystems und unserer Zivilisation in einer Pandemie auf.
Doch leider konnte das Buch dieses Niveau für mich stellenweise nicht halten.
Ein großes Problem war für mich die Struktur. Die Geschichte wird von zwei Hauptpersonen - dem Anwalt Will und dem Chaos-Gang-Mitglied Yvonne - erzählt. Doch hierbei erfordert der plötzliche Wechsel zu einer zweiten Ich-Perspektive (Yvonne) vom Leser zu viel verwirrende Mitarbeit. Denn die beiden Stimmen heben sich anfangs nur durch den Kursivdruck, aber sprachlich kaum voneinander ab.
Auch viele Nebenfiguren sind leider nur blasse Namen ohne echte psychologische Tiefe. Einzig die Hauptfigur Will überzeugt als normaler Mensch mit glaubhaften Stärken und Schwächen.
Positiv hervorheben muss man, dass Nesbø auf billige Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Die Reichen sind hier nicht automatisch die Bösen und die Armen die Guten. Geld wird im Chaos schlicht zum nackten Überlebenswerkzeug – wer Kohle hat, kann sich mit einem Hubschrauber auf einen Flugzeugträger ausfliegen lassen.
Nachdem Wills Familie von der Gang Chaos überfallen wird, bekommt die Geschichte einen klaren roten Faden und baut eine solide, wenn auch nicht überragende Spannung auf.
Aber schon relativ am Anfang driftet der Roman für meinen Geschmack allerdings zu sehr in eine reine Waffen- und Action-Metzelei mit teilweisen unglaubwürdigen Kampfesszenen ab. Mir fehlten hier die tiefen, ruhigen Reflexionen über das Geschehen.
Interessant finde ich zahlreiche biblische Anspielungen im Roman: So gestaltet sich zum Beispiel der für die Flüchtigen bereitgestellte Flugzeugträger als modern inszeniere Arche Noah, doch hier entscheidet nicht ein göttliches Urteil, sondern Reichtum, wer aufs Schiff kommt.
Desweiteren fungiert ein Schlachthaus als Kulisse, in der die Chaos-Gang an einem Tisch speisend mit dem biblischen Abendmahl verglichen wird. Dass Jesus fehlt, zeigt die absolute Gottesverlassenheit dieser neuen Welt, in der es keinen Retter mehr gibt.
Fazit:
Waffen- und Action-Freaks, die präzise Details und hohes Tempo lieben, kommen hier voll auf ihre Kosten (für sie ist das Buch sicher 4 bis 5 Sterne wert). Wer jedoch tiefere Charakterstudien sucht und wem Action keinen Leseanreiz bietet, wird enttäuscht sein. Für mich ein ambitioniertes, aber unvollkommenes Buch. Solide 3 von 5 Sternen.