Pandemie und der Verfall der Gesellschaft – ganz nett, aber nur bedingt spannend

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sidis-bib Avatar

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Das Kurzbuch „Insel der Ratten“ von Jo Nesbø macht den Verfall der Gesellschaft aufgrund einer Pandemie zum Thema. Nichts Neues, bedingt spannend und etwas flach.

Um was geht es?
Eine Pandemie greift um sich. Damit einher geht der Verfall der Gesellschaft. Brad, der Sohn des reichen Unternehmers Colin Lowe, schließt sich der marodierenden Bande „Chaos“ an und verbreitet dort als Anführer Angst und Schrecken. Dabei schreckt er auch nicht vor dem Geschäftspartner und Freund seines Vaters zurück: Will. Bei einem Überfall auf dessen Familie, entführt Brad Wills Tochter Amy, in die er schon lange unglücklich verliebt ist. Als Amy sich Brad verweigert, erschlägt er sie kurzerhand. Will schwört auf Rache und macht sich mit einer Bürgerwehr auf die Suche nach „Chaos“ und Brad, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Buch ist aus Sicht zweier Protagonisten geschrieben. Da ist zum einen Will, Rechtsanwalt mit einem großen Gerechtigkeitssinn. Als absoluter Gutmensch gerät er nach dem Überfall auf seine Familie und dem Tod seiner Tochter Amy in einen persönlichen Zwiespalt aus Rachegelüsten, Gerechtigkeitsempfinden und verlockenden positiven Angeboten für seine „Restfamilie“. Parallel dazu lernen wir auch die Strukturen und Beweggründe von „Chaos“ aus Sicht der Vizeanführerin Yvonne kennen. Trotz ihres starken Zugehörigkeitsgefühls zur Bande, scheint sie doch noch einen Funken Gewissen zu besitzen und einen Hauch Unrechtsempfinden, insbesondere wenn es ihren Freunden an den Kragen geht. Sie hasst Verräter. Als Protagonistin nimmt sie allerdings hinter Will eine nachgeordnete Rolle ein. Mittels zahlreichen Nebencharaktere werden Spannungsfelder erzeugt und der Verfall der Gesellschaft und des Rechtssystems aufgezeigt.

Aber leider bleibt dies sehr oberflächlich und hier zeigt sich auch das Grundproblem des Buches. Die Länge. Die Charaktere bleiben allesamt oberflächlich und man kann sich nur bedingt in sie hineinversetzen. Im ganzen Buch steht die Brutalität im Vordergrund, aber der Niedergang der Systeme wird nur bedingt aufgezeigt. Die Story selbst ist eine typische Pandemie-Story, nichts wirklich Neues und mit wenig Tiefgang. Sie ist nett zu lesen, aber echte Spannung oder ein Gefühl für die Situation kommt kaum auf. Man merkt einfach deutlich, dass „Insel der Ratten“ ursprünglich eine Kurzgeschichte im Rahmen eines Sammelbandes war und deswegen auch nicht die gewohnte Tiefe und Spannung eines typischen Nesbø erreicht. Den Preis des Ullstein-Verlags für 208 Seiten eines Kurzbuchs, das bereits früher im Rahmen eines Sammelbands erschienen ist und dazu noch in der Verarbeitung zu wünschen übriglässt, finde ich persönlich befremdlich.

Fazit:
Wer einen typischen, spannungsgeladenen Nesbø erwartet, wird hier leider enttäuscht werden. Es handelt sich um ein Kurzbuch, dass eine Pandemie und den Verfall der Gesellschaft zum Thema macht. Die Kernidee der Story ist nicht neu und aufgrund der Kürze des Buches bleiben die Charaktere oberflächlich und es kommt kaum Spannung auf. Das Buch ist ganz nett, aber auch nicht mehr. Preis-Leistung passt für mich leider überhaupt nicht. Sehr schade, da ich Jo Nesbø als Autor eigentlich sehr schätze.