Spannend aber nicht überzeugend
„Insel der Ratten“ von Jo Nesbø hat eine spannende Grundidee: Eine Welt nach einer verheerenden Pandemie, in der das gesellschaftliche System zusammengebrochen ist und das Überleben an erster Stelle steht. Die düstere Atmosphäre und die bedrückende Zukunftsvision konnten mich durchaus neugierig machen.
Leider blieb das Potenzial für mich jedoch weitgehend ungenutzt. Mit nur rund 200 Seiten wirkt die Geschichte sehr gehetzt. Viele Ereignisse überschlagen sich, sodass kaum Zeit bleibt, die Figuren wirklich kennenzulernen oder eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen. Dadurch fehlte mir auch die Spannung, die ich von einem Thriller erwarte.
Die Handlung entwickelt sich sehr schnell, Konflikte werden oft abrupt abgehandelt und einige Szenen hätten deutlich mehr Raum verdient. Gerade bei einem Autor wie Jo Nesbø hatte ich mir mehr Tiefe, Nervenkitzel und überraschende Wendungen erhofft.
Eine interessante Idee mit gesellschaftskritischem Ansatz, die leider zu kurz geraten ist. Wer eine schnelle, düstere Geschichte für zwischendurch sucht, könnte dennoch auf seine Kosten kommen. Mich konnte das Buch jedoch nicht vollständig überzeugen.