Wenn die Moral auf der Strecke bleibt

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nina2401 Avatar

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Ich oute mich ganz klar als Fan von Jo Nesbø! Ich liebe seinen Schreibstil, der von seinem scharfen Verstand, seinem schwarzen Humor und einer ganz besonderen Art, Spannung aufzubauen, geprägt ist. Gerade in seinen Büchern, die sich nicht um Harry Hole drehen, zeigt er immer wieder, wie vielseitig er ist und auch mit „Insel der Ratten“ hat er mich von der ersten Seite an begeistert.

Die Geschichte ist genauso ungewöhnlich wie die Aufmachung des Buches. Zunächst wirkt alles beinahe simpel, doch je weiter man liest, desto mehr erkennt man die Genialität, die dahintersteckt. Auf gerade einmal gut 200 Seiten schafft es Nesbø, eine unglaublich dichte und beklemmende Atmosphäre aufzubauen.
Sein Schreibstil ist gewohnt packend, direkt und temporeich. Besonders das Endzeitszenario hat mich beeindruckt, weil es erschreckend realistisch wirkt. Gesellschaftliche Regeln und moralische Werte sind ohnehin fragil und Nesbø zeigt auf beklemmende Weise, wie schnell sie ins Wanken geraten können, wenn die vertraute Ordnung zusammenbricht.

Dabei steht für mich vor allem Will im Mittelpunkt. Er ist ein tiefgründiger und vielschichtiger Charakter, dessen moralische Konflikte mich immer wieder zum Nachdenken gebracht haben. Wie soll man in einer solchen Situation vernünftig bleiben? Und wie viel Rache kann ein Mensch in sich tragen, bevor er selbst zu dem wird, was er eigentlich bekämpft? Dass sein Gegner Colin Lowe ausgerechnet sein Freund aus Kindheitstagen ist, macht diesen Konflikt noch intensiver.

Jo Nesbø hat mich mit „Insel der Ratten“ erneut absolut fasziniert. Ein düsteres, ungewöhnliches und überraschend tiefgründiges Buch, das weit mehr bietet als reine Spannung.

Und das Ende? Typisch Nesbø! Überraschend, genial und mit einem kleinen Lächeln meinerseits.