Wie die Tiere

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murksy Avatar

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Bevor ich das eigentliche Buch, also den Inhalt bewerte, will ich mich zu der, meiner Meinung nach fragwürdigen Vermarktungstechnik des Ullstein-Verlages äußern. Die Geschichte Insel der Ratten entstand zu Corona-Zeiten, das spiegelt sich in dem Szenario einer Viruserkrankung wieder, die zu einem Zusammenbruch der Zivilisation führt. Bereits 2021 erschien diese Dystopie in einem Sammelband. Aus dieser Kurzgeschichte wurde nun fünf Jahre später plötzlich ein Roman. Dazu nimmt man einfach ein kleines Format, knapp 12 auf 19 cm und packt das Ganze in extra dicke Umschlagpappe. Das ergibt dann ein Einzelbuch zu einem Preis von fast 20 Euro. Nun, Verlage sind Wirtschaftsunternehmen, keine Frage. Trotzdem finde ich diese Entwicklung erschreckend. Erst kürzlich las ich einen Kurzgeschichtenband eines bekannten Autors. Exakt diese Sammlung war bereits ein paar Jahre zuvor unter anderem Titel auf dem Markt. Ich bin gespannt, wann die oben erwähnte Sammlung von Nesbo übersetzt auf den Markt kommt, natürlich wieder mit der Insel der Ratten.
Genug gejammert. Die Geschichte, die Nesbo brillant präsentiert, handelt also vom Zusammenbruch der Zivilisation. Der Mensch wird zum sprichwörtlichen Tier. Es herrscht die Macht des Stärkeren, Gesetze werden nur noch sporadisch eingehalten oder überwacht. Wer Geld hat, versucht zu entkommen oder sich in festungsähnliche Anlagen zu flüchten. Nesbo erzählt schonungslos. Das muss er auch, denn nur so lässt sich die weitere Handlungsweise der Personen verdeutlichen. Trotz aller Brutalität und Unmenschlichkeit, gibt es Hoffnung. Es gibt Menschen, die den Glauben an Gerechtigkeit und Humanität nicht aufgeben wollen. Wie in allen Dystopien gibt es natürlich auch diejenigen, die nur auf ein solches Szenario gewartet haben, um ihre Perversionen und Allmachtsfantasien auszuleben. Der Leser bekommt den Spiegel vorgehalten. Wie würden wir reagieren? Natürlich ist es im bequemen Sessel einfach zu sagen, dass man gegen solche Anwandlungen gefeit ist. Die alte Fangfrage an Kriegsdienstverweigerer, wie sie im Falle eines Angriffes reagieren würden, lässt sich in der scheinbaren Sicherheit der vier Wände moralisch einwandfrei beantworten. Doch die Realität ist eine andere. In die Ecke gedrängt, bedroht, um die Existenz kämpfend, werden wir alle zu Tieren oder wie im Buch sinnbildlich zu Ratten. Man nehme unserer Gesellschaft nur 14 Tage den Strom und alles endet in Anarchie. Diesen inneren Kampf zwischen überleben wollen und dem Versuch, die Grundwerte unserer Demokratie und menschlichen Zusammenlebens zu schützen, wird zur Kernfrage des Buches. Was wäre wenn? Nesbo dreht geschickt an der Schraubzwinge, lässt gleich zwei Personen aus der Ich-Perspektive ihren eigenen Kampf führen und zeigt, das wir letztendlich alles gleich sind, egal ob arm oder reich. Wir sind Tiere, je nach Situation mehr oder weniger und müssen darum kämpfen, das zu verteidigen, was wir Menschlichkeit nennen.

Dies ist eine Privatrezension, ohne KI erstellt. Kopie, auch in Teilen, unterliegt dem Urheberrecht.