Zu schnell ausgelesen

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Zu schnell ausgelesen

Jo Nesbøs Insel der Ratten, erschienen im Ullstein Verlag, ist ein kurzer Endzeitthriller, der sofort eine düstere, beklemmende Atmosphäre entfaltet. Die Geschichte spielt in einem abgeschotteten, von Gewalt und Misstrauen geprägten Mikrokosmos, in dem die letzten Menschen versuchen, in einer zerstörten Welt zu überleben. Nesbø setzt auf ein reduziertes Setting, schnelle Szenenwechsel und eine klare, harte Sprache, die das Gefühl von Ausweglosigkeit verstärkt.

Die knapp 200 sehr kleinen Seiten sorgen dafür, dass man das Buch in einem Rutsch durchliest. Die Spannung ist da, das Tempo hoch, und die Grundidee trägt — auch wenn sie nicht die Tiefe seiner großen Thriller erreicht. Man merkt, dass Nesbø hier eher ein komprimiertes, fast experimentelles Werk vorlegt, das mehr auf Atmosphäre und unmittelbare Wirkung setzt als auf komplexe Figuren oder weit verzweigte Handlung.

Was das äußere Erscheinungsbild betrifft: Das Hardcover wirkt unglücklich gewählt. Es ist verdickend, vermittelt einen größeren Umfang, als tatsächlich vorhanden ist, und sieht dabei überraschend billig aus. Das ist kein Vorwurf an den Autor, sondern ein klarer Fehlgriff des Verlags, der den Preis von 20 Euro zusätzlich schwer rechtfertigbar macht.

Gesamteindruck: Ein atmosphärisch dichter, spannender Kurzthriller, der schnell fesselt — aber ebenso schnell vorbei ist und als Gesamtpaket hinter seinem Preis zurückbleibt.