Drei Generationen - drei Frauenschicksale

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Drei Generationen, drei Frauenschicksale – und die Frage, was Heimat und Familie bedeuten.

Liesel lebt mit ihrer lethargischen Mutter auf engstem Raum. Der wichtigste Mensch in ihrem Leben ist ihre im Pflegeheim lebende Großmutter Emmi. Diese verliert sich zunehmend in ihrer Demenz – und mit jedem Tag verschwinden weitere Erinnerungen. Daher fasst Liesel den Entschluss sich auf die Spuren der Vergangenheit ihrer Oma ins ehemalige Ostpreußen zu machen. Gemeinsam mit Emmi und deren Pfleger Jascha reist sie nach Polen. Eine Reise, die zu lange verborgenen Familiengeheimnissen führt.

Miriam Burdelski ist mit ihrem Debütroman eine zutiefst berührende Geschichte gelungen. Erzählt wird aus Liesels Sicht, die ihre tragische Familiengeschichte herrlich nüchtern und selbstironisch schildert. Dabei sucht sie nach ihrer eigenen Identität und vielleicht auch nach der Liebe. Nach und nach erkennt sie:

„Die Suche nach meinen eigenen Zielen wird hier eher zu einer Suche nach vergangenen Geheimnissen.“ (S. 169)

Und Geheimnisse gibt es in Liesels Familie einige – mit Entwicklungen, die ich zu Beginn nicht erahnt hätte. Ihre Enthüllung verändert den Blick auf die Figuren und deren Schicksale und hat mich tief berührt.

Obwohl der Roman Themen wie Flucht, Demenz, Depressionen, Verlust, Schuld und Vergebung aufgreift, wirkt er niemals erdrückend. Der Schreibstil ist flüssig, lebendig und einfühlsam. Dazu tragen auch die wunderbaren Figuren, wie Pfleger Jascha bei. Er bringt mit seiner unbekümmerten Art wohltuende Leichtigkeit in die emotionale Geschichte.

Interessant fand ich, dass die Autorin 2014 selbst die Fluchtroute ihrer Großmutter zurückgelegt hat. Vielleicht fühlt sich die Reise in die Vergangenheit auch deshalb so eindringlich und authentisch an.

„Ist doch schön hier“ hat mich gefesselt, mitten ins Herz getroffen und tief bewegt. Ein eindringlicher Roman über familiäre Prägungen, verdrängte Erinnerungen und die Erkenntnis, dass Heimat aus den Menschen besteht, bei denen wir uns zugehörig fühlen.