Eine Reise gegen das Vergessen
Die 19-jährige Liesel führt ein emotions- und perspektivloses Leben mit ihrer arbeitslosen Mutter. Diese ist erst 36, jedoch vollkommen erloschen. Einziger Fixstern war und ist Grossmutter Emmi, die im Altersheim lebt, aber Liesel effektiv grossgezogen und tatkräftig durch die schwierige Kindheit einer sogenannt "sozial schwachen" Familie navigiert hat. Emmi ist zunehmend dement und versinkt immer tiefer in die Zeit, als sie mit der Familie im ehemaligen Ostpreusen einen Guthof betrieben hat, bis sie sich 1945 einen Flüchtlingstrek nach Westen anschliessen mussten.
Kurzerhand entführt Liesel die Oma aus dem Seniorenheim, um mit ihr vor dem restlosen Vergessen die damalige Fluchtroute in entgegengesetzter Richtung zu reisen und endlich Details über die Familiengeschichte zu erfahren. Begleitet werden sie vom unbekümmerten polnischen Hilfspfleger Jascha. Die Reise beginnt chaotisch und schwierig. Mit der Zeit kann Liesel sich aber darauf einlassen und Fragmente aus Emmis brüchigem Gedächtnis setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen. Weitere dramatische Ereignisse passieren und am Ende der Reise wird nichts nichts mehr sein wie zuvor.
Besonders gefiel mir nicht nur die physische Reise an sich, sondern auch der innere Weg, den die Protagonistin Liesel nehmen musste. Weiter beeindruckten die schonungslose und entwaffnend ehrliche Darstellung einer Kindheit und Jugend in einer dysfunktionalen Familie und wie ein Leben in Armut und ohne jegliche Sozialkontakte aussehen kann. Die Distanziertheit von Familienmitgliedern, die sich nicht Mama oder Oma sagen können, sondern sich beim Vornamen nennen, hat mich berührt. Liesel könnte sich der Welt als klassische Opferrolle präsentieren und den Generationenschmerz einfach weitertragen. Doch sie wagt den Blick hinter die Fassaden und jenseits ihrer eigenen Vorurteile. In ehrlicher Selbstkritik wird sich die Protagonistin bewusst, dass sie ihr Leben lang ein zu einseitiges Bild von ihrer Mutter gezeichnet und stattdessen ihre Grossmutter glorifiziert hat. Ein wundervolles, stilles Buch mit grosser Tiefe und einer greifbaren Hauptfigur, der man gerne beim Wachsen zusieht.
Meine kleine Anregung (vielleicht für die Taschenbuchausgabe): Ich hätte mir hinten im Buch gerne eine Karte mit Emmis Fluchtroute gewünscht.
Kurzerhand entführt Liesel die Oma aus dem Seniorenheim, um mit ihr vor dem restlosen Vergessen die damalige Fluchtroute in entgegengesetzter Richtung zu reisen und endlich Details über die Familiengeschichte zu erfahren. Begleitet werden sie vom unbekümmerten polnischen Hilfspfleger Jascha. Die Reise beginnt chaotisch und schwierig. Mit der Zeit kann Liesel sich aber darauf einlassen und Fragmente aus Emmis brüchigem Gedächtnis setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen. Weitere dramatische Ereignisse passieren und am Ende der Reise wird nichts nichts mehr sein wie zuvor.
Besonders gefiel mir nicht nur die physische Reise an sich, sondern auch der innere Weg, den die Protagonistin Liesel nehmen musste. Weiter beeindruckten die schonungslose und entwaffnend ehrliche Darstellung einer Kindheit und Jugend in einer dysfunktionalen Familie und wie ein Leben in Armut und ohne jegliche Sozialkontakte aussehen kann. Die Distanziertheit von Familienmitgliedern, die sich nicht Mama oder Oma sagen können, sondern sich beim Vornamen nennen, hat mich berührt. Liesel könnte sich der Welt als klassische Opferrolle präsentieren und den Generationenschmerz einfach weitertragen. Doch sie wagt den Blick hinter die Fassaden und jenseits ihrer eigenen Vorurteile. In ehrlicher Selbstkritik wird sich die Protagonistin bewusst, dass sie ihr Leben lang ein zu einseitiges Bild von ihrer Mutter gezeichnet und stattdessen ihre Grossmutter glorifiziert hat. Ein wundervolles, stilles Buch mit grosser Tiefe und einer greifbaren Hauptfigur, der man gerne beim Wachsen zusieht.
Meine kleine Anregung (vielleicht für die Taschenbuchausgabe): Ich hätte mir hinten im Buch gerne eine Karte mit Emmis Fluchtroute gewünscht.