Eine Reise, nach der nichts mehr so ist, wie es vorher war

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caro1893 Avatar

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Liesel Großmutter Emmi lebt in einem Altenheim. Ihre Erinnerungen nehmen immer mehr ab und so beschließt Liesel sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben. Eine Reise nach Ostpreußen in die Vergangenheit ihrer Großmutter Emmi. Diese begleitet sie auf die Reise und stellt sie vor Herausforderungen, mit denen Emmi nicht gerechnet hatte. Dement und verwirrt, tauchen immer mehr Details auf, die Liesel bisher nicht bekannt waren. Doch wird ihre Oma in der Lage sein, ihr aus eigener Kraft zu erzählen, was wirklich geschah?

“Ist doch schön hier” ist ein sehr ruhiger Roman, ohne große Aufreger, ohne großen Spannungsbogen. Und doch ist es ein sehr packender, eindrücklicher und bildgewaltiger Roman. Als ich gesehen habe, dass es hier um Ostpreußen geht, war ich sehr gespannt. Denn ich weiß nicht wirklich viel über diese Gegend. Allerdings lernt man in der Geschichte auch weniger darüber, als ich mir erhofft hatte. Das ist im Prinzip auch mein einziger kleiner Kritikpunkt, wenn man es so nennen möchte.

Das Buch basiert mehr auf zwischenmenschliche Beziehungen und Erlebtes, als dass es viel über die Zeit und die Landschaft erzählt. Selbstverständlich gibt es die ein oder andere Beschreibung, aber der Fokus liegt mehr auf Emmis persönlicher Geschichte und Liesels persönlicher Entwicklung.

Die Geschichte ist ruhig, aber doch auch tragisch und zugleich hoffnungsvoll. Es passieren einige Dinge, die mich durchaus bewegt und mitgenommen haben. Gerade Emmi dabei zu beobachten, wie sie durch ihre Demenz immer weniger wird, war auf jeden Fall hart. Und auch sonst hat Liesel keine einfache Familiengeschichte. Nicht immer waren mir die Protagonisten nah oder sympathisch. Aber alles wirkte auf mich sehr authentisch und gerade Liesel fand ich sehr eindrücklich. Als 19-jähirge hat sie schon ganz schön viel erlebt und ausgehalten und man merkt ihr deutlich an, wie verloren sie ist.

Die Reise nach Ostpreußen ist nicht nur eine Reise in die Vergangenheit ihrer Großmutter, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Eine Reise zum Erwachsenwerden und das Lösen von ihrer Mutter und ein Stückweit auch von ihrer Vergangenheit. Dass das nicht ohne Schmerz und Verletzungen geht, ist nachvollziehbar.

Der Schreibstil ist super zu lesen und ich bin wirklich schnell vorwärts gekommen. Die stellenweise super kurzen Kapitel mochte ich auch gerne. Ich bin grundsätzlich auch mehr ein Fan davon, wenn die Kapitel kürzer, statt länger sind. Von daher hat das für mich hier super gepasst und hat auch eine gewisse Dynamik in die Geschichte gebracht.

“Ist doch schön hier” ist eine Geschichte vom Loslassen und sich selbst wieder finden. Von Verlust und Neubeginn und davon, dass man sich manchmal auch selbst verzeihen muss, um mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.