Heimat ist mehr als ein Ort auf der Landkarte
In Miriam Burdelskis Debütroman "Ist doch schön hier" begibt sich die zwanzigjährige Liesel auf eine Reise zu den Wurzeln ihrer eigenen Familiengeschichte.
Ihre Großmutter Emmi stammt aus Ostpreußen (das heutige Masuren). Die beiden haben ein sehr enges Verhältnis, Emmi steht Liesel schon immer viel näher als ihre lethargische Mutter Melanie, die sich nie um sie gekümmert hat.
„Melanie hat mich bekommen, als sie sechzehn war, und das hat sie mir niemals verziehen. Wie konnte ich es wagen, mich in ihrem damals so perfekten, jungen Körper einfach zu entwickeln, ohne nachzufragen, ob das der richtige Zeitpunkt sei. Ich bin ihr einziges Kind, das macht mich in ihren Augen nicht liebenswerter, ...“
Inzwischen ist Emmi dement und lebt im Pflegeheim, doch sie möchte unbedingt noch einmal „nach Hause“. Ursprünglich wollte Liesel sich alleine auf die Suche nach Antworten auf die alten Familiengeheimnisse machen.
„Neben meinem Bett stapeln sich Bücher und Ordner, die ich selbst zusammengestellt habe. Ich werde die Fluchtstrecke meiner Oma zurückreisen bis in ihr Heimatdorf. Ich werde Fotos machen und ihr im Anschluss alles erzählen. Ich werde meine Mutter allein in der vakuumierten Wohnung lassen und ein Abenteuer erleben. So wie alle jungen Menschen. Ich bin jetzt eine von ihnen. Kann sein, dass mir sowohl der Mut als auch die genaue Planung noch fehlen. Aber der Wille ist da. Wenn ich jetzt nicht gehe, dann nie.“
Doch irgendwie wird daraus gemeinsam mit dem polnischen Altenpfleger Jascha und Oma Emmi ein Roadtrip zu Dritt. Sie wollen die Strecke zurückverfolgen, die Emmi damals bei ihrer Flucht gehen musste.
„[...] wenn es noch die Möglichkeit gibt, diese Spur zu verfolgen, dann jetzt. Solange Emmi noch da ist. Eintausendsechshundert Kilometer ist sie damals bei Schnee und Eis zu Fuß gegangen. Und haben wir das jemals wirklich begriffen? Ich nicht.“
Liesel hofft, von Emmi Antworten zu bekommen. Wer ist die „andere Liesel“, von der sie immer redet? Wieso ist Emmi so abweisend zu Melanie? Und wer Liesels Großvater und Vater sind, wollte ihr auch nie jemand sagen. Doch Emmi schweigt beharrlich und die Reise hält einige Herausforderungen bereit. Zwischen der unnahbaren Liesel, die noch nie verliebt war, und dem sympathischen Jascha entwickeln sich sich zarte Gefühle.
„Da ist etwas zwischen mir und Jascha, das mich rührt und unendlich traurig macht zugleich. Etwas, das ich noch nie für jemanden gefühlt habe. Vertrauen und Sicherheit. Jascha ist seit Tagen einfach da für mich. Und diese Gewissheit, nicht allein zu sein, habe ich seit Emmis Demenz vermisst. Aber da ist noch mehr. Es rumort in meinem Bauch und zwickt. Ist das Liebe? Zum Glück habe ich im Leben gelernt, das zu nehmen, was ich kriegen kann und dem anderen nicht allzu lange hinterherzutrauern. Ich nehme mir vor, das bei Jascha genauso zu handhaben.“
Doch dann zwingt ein Schicksalsschlag Liesel, die Reise abzubrechen.
Emmi versinkt zuhause in der Demenz und Liesel gibt die Hoffnung auf Antworten schon fast auf. Da wird ihr ein Päckchen mit Briefen überreicht. Was sie darin liest, hatte sie so nicht erwartet ...
„Ich hätte Emmi gerne davon erzählt. Dass ich die Sache zu Ende gebracht habe. Und dass es sich gut angefühlt hat. Und dass ich meinen Frieden gemacht habe. Ich brauche das, um neu starten zu können. Dieses Dorf offenbart keine Geheimnisse. Und es heilt keine Wunden. Aber es ist ein Abschluss. Der Abschluss meiner Reise.“
Die Handlung war zwar teilweise ein bisschen unrealistisch und klischeehaft, andererseits aber auch wieder sehr berührend. Miriam Burdelski hat einen wirklich bewegenden Roman über Kriegstraumata und Flucht, aber auch über das Erinnern und Loslassen geschrieben.
Vielen Dank an den Blessing Verlag (Penguin Random House Verlagsgruppe) und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚
Ihre Großmutter Emmi stammt aus Ostpreußen (das heutige Masuren). Die beiden haben ein sehr enges Verhältnis, Emmi steht Liesel schon immer viel näher als ihre lethargische Mutter Melanie, die sich nie um sie gekümmert hat.
„Melanie hat mich bekommen, als sie sechzehn war, und das hat sie mir niemals verziehen. Wie konnte ich es wagen, mich in ihrem damals so perfekten, jungen Körper einfach zu entwickeln, ohne nachzufragen, ob das der richtige Zeitpunkt sei. Ich bin ihr einziges Kind, das macht mich in ihren Augen nicht liebenswerter, ...“
Inzwischen ist Emmi dement und lebt im Pflegeheim, doch sie möchte unbedingt noch einmal „nach Hause“. Ursprünglich wollte Liesel sich alleine auf die Suche nach Antworten auf die alten Familiengeheimnisse machen.
„Neben meinem Bett stapeln sich Bücher und Ordner, die ich selbst zusammengestellt habe. Ich werde die Fluchtstrecke meiner Oma zurückreisen bis in ihr Heimatdorf. Ich werde Fotos machen und ihr im Anschluss alles erzählen. Ich werde meine Mutter allein in der vakuumierten Wohnung lassen und ein Abenteuer erleben. So wie alle jungen Menschen. Ich bin jetzt eine von ihnen. Kann sein, dass mir sowohl der Mut als auch die genaue Planung noch fehlen. Aber der Wille ist da. Wenn ich jetzt nicht gehe, dann nie.“
Doch irgendwie wird daraus gemeinsam mit dem polnischen Altenpfleger Jascha und Oma Emmi ein Roadtrip zu Dritt. Sie wollen die Strecke zurückverfolgen, die Emmi damals bei ihrer Flucht gehen musste.
„[...] wenn es noch die Möglichkeit gibt, diese Spur zu verfolgen, dann jetzt. Solange Emmi noch da ist. Eintausendsechshundert Kilometer ist sie damals bei Schnee und Eis zu Fuß gegangen. Und haben wir das jemals wirklich begriffen? Ich nicht.“
Liesel hofft, von Emmi Antworten zu bekommen. Wer ist die „andere Liesel“, von der sie immer redet? Wieso ist Emmi so abweisend zu Melanie? Und wer Liesels Großvater und Vater sind, wollte ihr auch nie jemand sagen. Doch Emmi schweigt beharrlich und die Reise hält einige Herausforderungen bereit. Zwischen der unnahbaren Liesel, die noch nie verliebt war, und dem sympathischen Jascha entwickeln sich sich zarte Gefühle.
„Da ist etwas zwischen mir und Jascha, das mich rührt und unendlich traurig macht zugleich. Etwas, das ich noch nie für jemanden gefühlt habe. Vertrauen und Sicherheit. Jascha ist seit Tagen einfach da für mich. Und diese Gewissheit, nicht allein zu sein, habe ich seit Emmis Demenz vermisst. Aber da ist noch mehr. Es rumort in meinem Bauch und zwickt. Ist das Liebe? Zum Glück habe ich im Leben gelernt, das zu nehmen, was ich kriegen kann und dem anderen nicht allzu lange hinterherzutrauern. Ich nehme mir vor, das bei Jascha genauso zu handhaben.“
Doch dann zwingt ein Schicksalsschlag Liesel, die Reise abzubrechen.
Emmi versinkt zuhause in der Demenz und Liesel gibt die Hoffnung auf Antworten schon fast auf. Da wird ihr ein Päckchen mit Briefen überreicht. Was sie darin liest, hatte sie so nicht erwartet ...
„Ich hätte Emmi gerne davon erzählt. Dass ich die Sache zu Ende gebracht habe. Und dass es sich gut angefühlt hat. Und dass ich meinen Frieden gemacht habe. Ich brauche das, um neu starten zu können. Dieses Dorf offenbart keine Geheimnisse. Und es heilt keine Wunden. Aber es ist ein Abschluss. Der Abschluss meiner Reise.“
Die Handlung war zwar teilweise ein bisschen unrealistisch und klischeehaft, andererseits aber auch wieder sehr berührend. Miriam Burdelski hat einen wirklich bewegenden Roman über Kriegstraumata und Flucht, aber auch über das Erinnern und Loslassen geschrieben.
Vielen Dank an den Blessing Verlag (Penguin Random House Verlagsgruppe) und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚